Yasuhiko Okudera

Boah, ist dieser Shinji Kagawa in der Bundesliga eingeschlagen. Das Superschnäppchen aus Fernost, mal so eben für 350.000€ Ausbildungsentschädigung aus Osaka geholt, hat in der Hinrunde der Überfliegermannschaft aus Dortmund sein Gesicht verliehen. Plötzlich wollen sie in der Bundesliga alle einen Japaner haben. Die Wolfsburger haben schon länger einen, die Schalker haben einen, die Freiburger auch. Köln und Stuttgart haben sich schnell einen Japaner im Winterschlussverkauf gesichert, so als Hoffnungsträger im Abstiegskampf. Und die Bayern haben sich jetzt auch einen von diesen begehrten Asiaten gesichert. Ein Top-Talent sagt man im Land der aufgehenden Sonne, schaun mer mal, ob Takashi Usami zum nächsten Superstar taugt.

Yasuhiko Okudera

Yasuhiko Okudera © 11freunde.de

Doch wer ist eigentlich der Urahn der heutigen Japan-Welle, wer war der mutige Pionier, der als Erster das Abenteuer wagte? Etwa „Sushi-Bomber“ (Boulevardschöpfung) Nahiro Takahara? Mitnichten. Bum-Kun Cha? Natürlich nicht, der ist Koreaner. Es war Yasuhiko Okudera, der schon 1977 aus dem Fußballentwicklungsland Japan in die damals überragende Bundesliga wechselte. Von der Werksmannschaft Furukawa Electric ging es zum ambitionierten 1.FC Köln, der unter Hennes Weisweiler hoch hinaus wollte. Viele Jahre später schlugen übrigens zwei Kölner den umgekehrten Weg ein und heuerten bei Furukawas Nachfolgeverein JEF United in der J-League an. Es waren die Herren Littbarski und Ordenewitz, aber das nur am Rande.

Zurück zum FC und Hennes Weisweiler. So richtig glaubte keiner daran, dass sich ein japanischer Amateur bei einem deutschen Spitzenclub durchsetzen würde. Aber Hennes Weisweiler erkannte die Qualitäten des Flügelspielers aus Fernost und baute ihn 20mal in seine Meistermannschaft ’78 ein. Pokalsieger wurden sie sogleich auch noch und in der darauffolgenden Saison kamen die Kölner bis ins Halbfinale der Landesmeisterpokals. 75 Ligaspiele bestritt Okudera in seinen drei Spielzeiten am Rhein, dann ging er für ein Jahr in die 2.Bundesliga zu Hertha BSC. Die Berliner hatten eine starke Mannschaft, u.a. mit 10-Tore-Verteidiger Horst Ehrmantraut und 36-Tore-Mittelfeldspieler Werner Killmaier. Sie deklassierten die Konkurrenz mit 123 Saisontoren (davon 8x Okudera) offensiv deutlich. Doch im Aufstiegsrennen mussten sich Okuderas Herthaner Werder Bremen und Eintracht Braunschweig geschlagen geben (ein Punkt fehlte am Ende).

Dank Werder Bremens Trainer Otto Rehhagel durfte Okudera aber mitaufsteigen. Der holte ihn an die Weser und schulte ihn zum Abwehrspieler um. Auf dieser Position oder wahlweise als Allzweckwaffe im Mittelfeld, konnte der stets freundliche Fußballlegionär noch fünf Jahre als unangefochtener Stammspieler in der Bundesliga verbringen. Dabei wurde Yasuhiko Ukudera dreimal Vizemeister mit Werder Bremen. Erst 1986 (nach 234 Bundesligaspielen) verließ der Japaner Deutschland wieder und half dabei den Fußball in seiner Heimat zu professionalisieren. Ein bemerkenswert langes und erfolgreiches Gastspiel für den ersten Japaner in der Bundesliga, welches naturgemäß mit Startschwierigkeiten verbunden war, sich aber zu einer echten Erfolgsstory entwickelte. Deutsch-japanische Fußballgeschichte, die nun eine neue Generation fortschreiben will.

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