Wolfgang Felix Magath

Felix Magath gehört zu einem kleinen feinen Club, der nur sechs Mitglieder hat. Was elitär klingt, ist es auch. Es handelt sich um die sechs Fußballer, die sowohl als Spieler, als auch im Traineramt Deutscher Meister wurden. Thomas Schaaf, Helmut Benthaus, Jupp Heynckes, Franz Beckenbauer, Matthias Sammer und eben jenem Wolfgang Felix Magath gelang dieses Kunststück. Magath ist es in dieser illusteren Runde vorbehalten etwas multikulturelles Flair einzubringen. Als Sohn eines US-Soldaten aus Puerto Rico und einer nachkriegsvertriebenen Ostpreußin erblickte Felix der Glückliche im Sommer 1953 das Licht der Welt.

Aschaffenburg ist seine Geburtsstadt, dort wuchs er auf und kam als Siebenjähriger zum Fußballsport. Über den VfR Nilkheim und den TV 1860 wechselte Magath 1972 zum lokalen Aushängeschild Viktoria Aschaffenburg. Bei diesem bayrischen Verein, der seit der Nachkriegszeit im hessischen Amateurfußball beheimatet ist und in den 80er Jahren Zweitligaluft schnuppern durfte, empfahl sich das Ausnahmetalent für höhere Aufgaben. 1974 durfte er in Saarbrücken seinen ersten Profivertrag unterschrieben. In der 2.Bundesliga kam Magath in zwei Jahren 76mal zum Einsatz und konnte dabei 29 Tore erzielen. Klar, dass so jemand zwangsläufig in der 1.Bundesliga landet.

Wolfgang Felix Magath

Wolfgang Felix Magath © lokalderby.de

Den Sprung in die Eliteklasse realisierte Felix Magath 1976 mit einem Wechsel zum Hamburger SV. Es sollte bereits seine letzte Station als aktiver Spieler werden (sieht man von einem späten Engagement beim FC Bremerhaven ab), denn den Rothosen blieb der Aschaffenburger bis zum Karriereende 1986 treu. Es wurden titelträchtige Jahre für den HSV und Magath. Schon 1977 konnte mit dem Europokal der Pokalsieger ein großer Titel errungen werden. 1979, 1982 und 1983 wurde Magath mit dem Hamburger SV Deutscher Meister. 1980 stand man im Finale des Europapokals der Landesmeister, wo man in Madrid Nottingham Forest unterlag. 1983 konnten die Hamburger dagegen im zweiten Anlauf Europas Fußballthron besteigen. In Athen siegte man 1:0 gegen Juventus Turin. Schütze des goldenen Tores war Felix Magath. Es war der Karrierehöhepunkt für den zweifachen WM-Teilnehmer und 43fachen Nationalspieler. Sicherlich noch höher zu bewerten als der Gewinn der Europameisterschaft 1980, wo Magath nur in der Vorrunde als Einwechselspieler zum Zuge kam.

Bei der Frankfurter Eintracht oder den Kickers Offenbach wird man sich geärgert haben, dass man diesen Buben aus der Nachbarschaft damals nach dem Probetraining wieder weggeschickt hat. Aber wahrscheinlich wäre es diesen Clubs auch so wie dem 1.FC Saarbrücken ergangen, die er zwar als überragender Akteur in die 1.Bundesliga führte, aber dann einfach nicht mehr zu halten war. In Hamburg jedenfalls wurde Magath, der ohne Vater aufwuchs, sesshaft und sein zweiter Vorname Felix zum Programm. Nachdem ihn ein Knorpelschaden 1986 zum Karriereende zwang, siedelte er ins HSV-Management über. Dieser Posten wurde ihm bereits nach zwei Jahren wieder genommen, obwohl in diese Zeit der Gewinn des DFB-Pokals 1987 fällt. Es ist bis dato Hamburgs letzter Titelgewinn, während Magath dagegen seit seiner Demission ’88 zahlreiche Titel mit verschiedenen Vereinen gewann.

Doch zunächst blieb Magath als Manager glücklos. Sowohl seine Rückkehr zum 1.FC Saarbrücken als auch das Gastspiel bei Bayer 05 Uerdingen, waren kurz und erfolglos. Der Funktionär beendete vorläufig seine zweite Karriere und spielte fortan wieder aktiv Fußball. Der Mäzen Bernd Günther lockte den einstigen Mittelfeldstar zum FC Bremerhaven, wo Magath als Spielertrainer die Meisterschaft der Verbandsliga an die Wesermündung holte. Dabei begann seine dritte Karriere, die des Trainers Magath. Als Trainer kehrte zum geliebten HSV zurück. Ab 1993 betreute er zunächst die 2.Mannschaft, dann als Assistenztrainer den Bundesligakader. Diesen übernahm er nach Benno Möhlmanns Entlassung 1995 eigenverantwortlich. Felix Magath führte den HSV in den UEFA-Cup und dort bis ins Achtelfinale. Allerdings war er keine zwei Jahre im Amt, da musste er schon wieder den Hut nehmen. Der von Zebec und Happel geprägte Trainer eckte an. Das Team kam nicht mit seinem harten Training und seinem diktatorischen Führungsstil zurecht. 1997 wurde er noch vor Saisonende entlassen.

Gleichwohl hatten seine kurzfristigen Erfolge mit dem HSV Eindruck gemacht und ein neue Anstellung ließ nicht lange auf sich warten. Magath heuerte in Nürnberg an und führte den 1.FCN in die 1.Bundesliga. Er gewann den Ruf kurzfristig viel bewegen zu können und wurde nun als Feuerwehrmann in Bremen und Frankfurt tätig. In Frankfurt bescheinigte Jan-Aage Fjörtoft seinem Trainer Jörg Berger einst nach dem nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt, dass dieser wahrscheinlich auch die Titanic gerettet hätte. Über Coach Magath äußerte sich der Stürmer in ähnlicher Situation wie folgt: „Ob er auch die Titanic gerettet hätte, weiß ich nicht. Aber die Überlebenden wären topfit gewesen.“ In Quälix verballhornten sie seinen Vornamen. Ein Trainer, der regelmäßig an die Belastungsgrenzen seiner Spieler und manchmal auch darüber hinaus ging. So einer wurde nicht geliebt und drohte als Feuerwehrmann für kurzfristige Rettungsmaßnahmen zu enden.

Da kam das Angebot des VfB Stuttgart 2001 gerade recht. Zwar wurde er auch dort als Retter in höchster Not verpflichtet, aber anders als sonst, ging hier die Beziehung nicht gleich wieder nach der erfolgreichen Mission in die Brüche. Magath fasste Fuß in Schwaben und entwickelte die Mannschaft über einen oberen Mittelfeldplatz 2002 zum Vizemeister 2003. 2004 gelang dem Champions-League-Teilnehmer VfB Stuttgart unter Magath der 4.Platz. Dieser Trainer hatte den VfB vom Abstiegskandidaten nachhaltig zum Spitzenteam entwickelt. Solch eine Leistung weckte die Begehrlichkeiten des Branchenprimus. 2004 wurde Felix Magath Trainer bei Bayern München.
Mit dem FCB gewann der Schleifer zweimal souverän das Double und stieg so endgültig in die Spitze der Trainergilde auf.

International hingegen blieben die Bayern hinter den Erwartungen zurück und als es im dritten Jahr auch in der Liga nicht mehr so rund lief, entließ man den bei der Mannschaft weitestgehend ungeliebten Trainer im Januar 2007 nach einem verkorksten Rückrundenauftakt. Man war offensichtlich nicht gewillt dem ersten Doubleverteidiger der Bundesligageschichte eine Durststrecke zuzugestehen. Gekränkt zog Magath von dannen und wurde Geschäftsführer, Sportdirektor und Trainer in Wolfsburg. Die gerade erst dem Abstieg entronnenen Wölfe gaben dem Erfolgstrainer maximale Machtfülle und sollten nicht enttäuscht werden. Zunächst führte er den VfL aus der Autostadt in den UEFA-Pokal und im Jahr darauf gelang ihm der große Coup. Wie im Vorjahr legten die Wölfe eine bärenstarke Rückrunde hin und krönten jene diesmal mit der Tabellenführung am Saisonende.

Mit dem Traumsturm Edin Dzeko und Grafite eilten die Grün-Weißen von Sieg zu Sieg. Meilenstein auf dem Weg zum Titel war der 5:1-Erfolg gegen den FC Bayern München. Als wäre diese Überlegenheitsdemonstration nicht schon Demütigung genug für den Rekordmeister aus München, wechselte Magath zum Ende sogar seinen Ersatztorhüter ein, um jenem Spielpraxis zu verschaffen, wie er süffisant anmerkte. Es war die gelungene Rache des gekränkten Ex-Trainers. Diese Meisterschaft ist zweifelsohne für den Trainer Magath mit einem ähnlich hohen Stellenwert versehen, den der Triumph von Athen 1983 für den Spieler Magath hatte. Erkauft wurde dieser Titel mit 30 Neuzugängen in zwei Jahren. Das Prinzip hieß viele Spieler verpflichten und dann aus einem großen Pool von Akteuren eine Stammelf zu formen. Dass dabei zahlreiche Spieler zwangsläufig durch das Raster fallen müssen und dennoch teuer unter Vertrag stehen, wird dabei systemimmanent in Kauf genommen. Dieses Prinzip sollte der Trainer und Manager Magath bei seiner nächsten Station noch auf die Spitze treiben.

Nach dem Meistercoup mit der sportlichen VW-Tochtergesellschaft, bekam Magath ein sehr lukratives Angebot aus Gelsenkirchen. Mit ähnlicher Machtfülle, aber noch höherem Salär als in Wolfsburg, begann Magaths neue Meistermission. Ein mehrjähriges Projekt rief der Trainer aus, aber als gleich im ersten Jahr nach zuvor desolaten Leistungen die Vizemeisterschaft heraussprang, rückte das Schalker Umfeld schon wieder vom maßvollen Weg ab. Zwar gab es auch schon im ersten Jahr Schatten, wie beispielsweise die Personalie Albert Streit, aber Platz 2 und die Integration von No-Names wie Schmitz, Moritz oder Matip überstrahlten die Probleme des aufgeblähten Kaders und des Magathschen Führungsstils. Nun wurden teure Stars abgegeben (Rafinha, Bordon, Kuranyi und Westermann) und dafür weitere Talente hochgezogen (wie Julian Draxler, dem Magath riet im Sinne der Bundesligakarriere auf das Abitur zu verzichten) und vorwiegend ablösefreie Spieler verpflichtet. Es waren große und teure Namen dabei wie Raul, Huntelaar und Metzelder, die bedingt zu Verstärkungen wurden und es gab eine Horde von weniger bekannten Spielern wie Jurado, Uchida, Sarpei, Escudero, Deac, Plestan, Hoogland oder Pliatsikas, die fast alle floppten.

Das mehr und mehr von Magath geprägte Schalke 04 kam in der Bundesliga 2010/11 gar nicht zurecht und rutschte zeitweise bedrohlich nah an die Abstiegsränge. Nur die Erfolge in der Champions League und im DFB-Pokal hielten das Schalker Umfeld zunächst ruhig. Doch als im Winter mit Annan, Avelar, Karimi und Charisteas vier weitere Spieler verpflichtet wurden, denen anscheinend niemand außer Magath überhaupt die Bundesligatauglichkeit zutraute, wurde die Opposition immer lauter. Keiner der vier schlug ein, überhaupt war die Trefferquote bei den nunmehr 19 Neuen innerhalb einer Saison erschreckend niedrig. Und auch die 18 Neuen aus der Einkaufstour in Magaths erstem Jahr waren fast alle gefloppt außer die Jungs aus dem eigenen Nachwuchs. Der Trainer reagierte sehr kreativ und meldete sich bei Facebook an, um in diesem Medium Unterstützer zu gewinnen. Gerade nach dem CL-Erfolg gegen den amtierenden Titelträger Inter Mailand, gewann Magath wieder Oberwasser.

Nichtsdestotrotz entschied sich der Aufsichtsrat um Clemens Tönnies die Reißleine noch vor dem CL-Halbfinale und DFB-Pokalfinale zu ziehen. Magath wurde nach öffentlichen Auseinandersetzungen mit Tönnies entlassen und man führte die Schlammschlacht nun um die Abfindung fort. Trainer, Manager und Vorstandsmitglied Magath bestand auf 15 Millionen, zeitgleich kamen Vorwürfe gegen ihn wegen Veruntreuung auf. Überraschend zog der Beurlaubte seine Forderungen zurück und heuerte noch vor Saisonende in Wolfsburg an. In Ostniedersachsen wurde ein Feuerwehrmann und Messias dringend gebraucht. Magath rettete die akut abstiegsbedrohten Wölfe am letzten Spieltag und begann nun mit dem Umbau des Kaders, der kaum noch der Meistermannschaft von 2009 glich. Nun scheint er wieder einen großen Kader aufbauen zu wollen und beginnt mit dem Sichten ablösefreier und vereinsloser Spieler, die teure Verpflichtungen wie Nationalspieler Träsch ergänzen sollen. Insgesamt 34 Profis hat der VfL zur Zeit unter Vertrag, was auch der einkaufsfreudigen Arbeitsweise vom Manager-Vorgänger Dieter Hoeneß geschuldet ist. Dennoch sollen weitere Spieler kommen und andere dürfen gerne gehen.

Ob Magath seine Führung im eingangs erwähnten exklusiven Meisterclub mit einem siebten Titel ausbauen kann, wird eher als unwahrscheinlich angesehen, allerdings ist dieser Mann mit den VW-Millionen im Hintergrund vielleicht mehr als andere für eine weitere Überraschung gut.

Bildquelle: http://www.lokalderby.de/kleider-machen-leute/

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