Willi Schulz

Geboren am 4. Oktober 1938 in Wattenscheid, begann Willi Schulz typisch für seine Zeit das Kicken auf der Straße. Ab 1950 spielte der jugendliche Willi regulär um Tore und Punkte beim Stadtteilclub Union Günnigfeld in der damals noch selbständigen Stadt Wattenscheid. Bei diesem Amateurverein ragte Schulz heraus, wurde gar zum Nationalspieler (als Drittligaspieler!) und erlag 21jährig dem Werben des Oberligisten FC Schalke 04. In der seinerzeit höchstens Spielklasse konnte sich der Abwehr- und Mittelfeldspieler auf Anhieb bei den Königsblauen durchsetzen.

Schalke (und somit auch Schulz) war 1963 Gründungsmitglied der Bundesliga und erreichte im Premierenjahr der Profiliga den achten Rang. Im zweiten Jahr wurde man Sechzehnter und damit Tabellenletzter. Nur durch die Aufstockung der Liga auf 18 Mannschaften, entgingen die Knappen dem Abstieg. Um Willi Schulz wurden damals Wechselgerüchte laut, die der Nationalspieler gekonnt entkräftete. „Ehe ich von Schalke weggehe, lasse ich mir beide Beine abhacken“, gab Schulz zu Protokoll und beruhigte die Seele seiner Ruhrgebietsgenossen. Die nahmen dem Jungen aus dem Pott diese Worte natürlich ab und mussten am 1.Spieltag der kommenden Bundesligasaison umso erstaunter die Augen reiben. Da lief ihr Willi zweibeinig für den Ligarivalen Hamburger SV auf.

Willi Schulz

Willi Schulz

Das schürte natürlich den Volkszorn und beflügelte die Kreativität der Anhänger. Schulz hatte schon früh begonnen nicht nur auf den Fußball zu setzen, sondern auch als Gastronom ein zweites Einkommen zu generieren. Der rechte Außenläufer betrieb unter anderem eine Kneipe in Wattenscheid, in der die Schalke-Fans stets ordentlich die Kasse klingeln ließen. In Scharen machten sich nun Schalker auf in die Kneipe des Verräters und besetzten demonstrativ mit aufgeschlagenen Zeitungen den Gastraum. Der Artikel den sie aufschlugen, war jener über den Wechsel ihres einstigen Idols. Die Schalker bestellten nichts, sondern deckten sich nur bei der Trinkhalle gegenüber mit Bier ein, um dieses dann in der Schulz-Kneipe zu trinken. Schalkes Anhang feierte die gelungene Aktion noch, als Schulz via Presse über diesen Boykott informiert wurde. Doch der zuckte nur mit den Schultern und äußerte später: „Dat war mich egal, die Trinkhalle gegenüber gehörte doch auch mir“. Eben ein wirklich ausgebufftes Kerlchen.

In Hamburg blieben Schulz Leistungen weiter herausragend und 1966 durfte er zu seiner zweiten WM-Endrunde (nach Chile ’62) auf die Britischen Inseln reisen. Auch hier überragte er als Abwehrchef und bekam den ehrvollen Spitznamen „Worldcup-Willi“. Als Vizeweltmeister durfte der zum Libero umfunktionierte Schulz nach Hamburg zurückkehren. In der Hansestadt blieben ihm leider große Triumphe verwehrt. Kein Titel, nur zwei verlorene Endspiele und mäßige Ligaplatzierungen waren die durchwachsene Bilanz des HSV Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre. Immerhin berechtigte das verlorene DFB-Pokal-Endspiel 1968 (gegen Bayern München) zur Teilnahme am Europapokal der Pokalsieger, wo der HSV ins Endspiel einzog und dort dem AC Mailand unterlag. Diese Niederlage war wohl Schulz größter Vereinserfolg.

Den Star störte die relative Erfolglosigkeit seines Vereins natürlich schon, aber er fühlte sich wohl in Hamburg und identifizierte sich voll mit dem HSV. So blieb er den Rothosen trotz guter Angebote treu bis zum Karriereende. Nach der aktiven Laufbahn, bewies er wieder seine guten Kaufmannseigenschaften und wurde endgültig ein erfolgreicher Geschäftsmann. Sowohl als Gastronom, Automatenaufsteller als auch in der Versicherungsbranche hatte Schulz großen beruflichen Erfolg. Vereinsmitglied beim HSV ist er immer noch und er engagierte sich auch zeitweilig als Funktionär für seinen Verein. Im Gegensatz zu vielen anderen talentierten Ruhrgebietsfußballern seiner Zeit wurde Schulz auch außerhalb seiner Heimat glücklich.

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