Walter Rodekamp

Das Weihnachtslied „Oh Tannenbaum“ ist ein echter deutscher Klassiker. 1914 wurde er gar von Briten und Deutschen beim berühmten Weihnachtsfrieden von Flandern in ihren Schützengräben gesungen. Kaum verwunderlich also, dass auch Fußballfans dieses traditionelle Liedgut umdichteten. In Hannover sangen sie „Oh Rodekamp, oh Rodekamp, wie schön deine Tore“. Ehre wurde damit dem 96-Angreifer Walter Rodekamp zu teil.

Walter Rodekamp

Walter Rodekamp © stickerfreak.de

Der gebürtige Hagener Rodekamp war 1963 von Schalke 04 an die Leine gewechselt. Es war ein Glücksgriff für die Niedersachsen. Walter Rodekamp schoss die 1963 bei der Bundesligagründung übergangenen Hannoveraner mit 33 Toren in 33 Spielen nachträglich in die angestrebte 1.Liga. „Bei Schalke rostete Rodekamp in der Reserve, bei 96 ist er als Torjäger groß herausgekommen“ titelte das „Sport-Magazin“ nach Rodekamps fulminanter Aufstiegsrunde.

In der 1.Bundesliga half Rodekamp tatkräftig und torreich bei der Etablierung des Aufsteigers. Gleich auf Anhieb schienen die 96er zeigen zu wollen, dass sie selbstverständlich in die 1.Bundesliga gehörten und zu Unrecht ein Jahr zuvor vom DFB enttäuscht wurden. Mit Platz 5 erreichte man eine Topplatzierung, die bis 2011 unübertroffen blieb. Rodekamp sorgte gleich zu Saisonbeginn für einen Paukenschlag. Beide Tore schoss er auswärts, unweit seiner Heimatstadt Hagen, beim 2:0 Auftaktsieg gegen den amtierenden Meister Borussia Dortmund. Walter Rodekamp erzielte in dieser Premierensaison 11 Treffer in 33 Spielen und war somit wieder treffsicherster Akteur der Roten.

Zur Belohnung für die erfolgreiche Spielzeit, wurde Walter Rodekamp im Mai 1965 sogar für die DFB-Elf nominiert und kam gegen England zu seinem ersten von drei Länderspielen. Einen Ausbau dieser Bilanz verhinderte damals vielleicht mehr sein unsolider Lebenswandel, denn seine konstant guten Leistungen. Rodekamp machte keinen Hehl aus seinem Hang zu Hochprozentigem und genehmigte sich vor den Spielen gerne mal einen Kurzen. Und nach den Spielen wurden es ab und an auch ein paar mehr. In Hannover wurde das geduldet, bei der Nationalmannschaft dagegen war Abstinenz oberstes Gebot. Ein Alkoholiker passte da nicht rein.

Auch in den Jahren 1965/66 und 1966/67 verfehlte „Dornkaat-Walters“ Zielwasser seine Wirkung selten. 13 und 11 Saisontore ließen sich ebenso sehen. Mit einem 11. und 9. Platz fand man sich tabellarisch indes nur im Mittelfeld wieder. Um wieder weiter oben anzugreifen, verpflichtete man im Sommer 1967 das teure Sturmduo Jupp Heynckes (von Borussia Mönchengladbach) und Josip Skoblar (von Olympique de Marseille). Rodekamp war nur noch die Nr. 3 im Sturm und trennte sich nach einem unbefriedigenden Jahr dritte Geige von 96.

Sein Ziel hieß 1968 Belgien und er spielte bis 1974 in Lüttich und Antwerpen. Dann kehrte er nach Hannover zurück und übernahm das Clubheim des TuS Kleefeld als Gastronom. Nebenbei führte er die 1.Mannschaft der Kleefelder als Spielertrainer in die Landesliga. Als er begann sich gänzlich auf die Gaststätte zu konzentrieren, verfiel er leider zusehends seiner Krankheit. Er verlor das Clubhaus und war als Alkoholiker fortan meist arbeitslos. 1998 verstarb Walter Rodekamp in seiner Heimatstadt Hagen 57jährig an Knochenkrebs.

In Hannover sind seine 38 Tore in 123 Bundesligaspielen unvergessen. Seit 2010 heißt der Platz vor dem Niedersachsenstadion in Hannover offiziell Walter-Rodekamp-Platz. Ehre, wem Ehre gebührt.

Bildquelle: http://www.stickerfreak.de/Bergmann%20Seiten/Bundesliga%201966-67/Hannover%201967.html

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