Thorsten Legat

„Herr Legat, wie sind sie eigentlich zum Bodybuilding gekommen?“

 

„Immer die Castroper Strasse rauf.“

Was Thorsten Legat wohl der Polizei antwortete wie er zu seinem Samuraischwert kam und wieso er damit Jugendliche auf einem McDonalds-Parkplatz bedrohte? Und wie kam eigentlich der Schriftzug „Negersaft“ auf die Trinkflasche von Legats Mannschaftskamerad Pablo Thiam? Wie kam es dazu, dass er seinem Nachbarn nach der Silvesternacht 1996 90.000€ Schmerzensgeld zahlen musste? Und wollten ihn eigentlich wirklich Frankfurter Hooligans in der Vereinstiefgarage verprügeln und wo war da das Samuraischwert, wenn man es denn schon mal brauchte?

Fragen über Fragen, mit meist lustigen Antworten von einer einfach gestrickten Kämpfernatur aus dem Kohlenpott. Legendär auch ein Schalker Mannschaftsfoto, welches Legat mit bis unter die Brust gezogener Short zeigt. Es schaffte es bis ins Kicker-Sonderheft und brachte Legat neben einer gewonnenen Wette auch eine saftige Geldstrafe vom Verein ein.

Thorsten Legat

Thorsten Legat

Zum Fußball kam Thorsten Legat im Prinzip genauso wie zum Bodybuilding, denn auch der VfL Bochum ist an der Castroper Strasse beheimatet. Dort unterschrieb der Junge aus dem Pott 1986 seinen ersten Profivertrag und entwickelte sich peu à peu zur Stammkraft. In seinem letzten Bochumer Jahr 1990/91 spielte er seine stärkste Saison im Mittelfeld der damals noch Unabsteigbaren. Die Belohnung war ein Wechsel nach Bremen.

Dort feiert Legat als harter Stammspieler große Erfolge. Europapokalsieger 1992, Meister 1993 und DFB-Pokal-Sieger 1994. Drei titelträchtige Jahre, die wahrscheinlich sein Selbstverständnis als „Aggressive Leader“ weiter wachsen lassen. “Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.”

Verstärken tat Legat ab 1994 das Mittelfeld von Eintracht Frankfurt. Glücklich wurde er bei seinem einjährigen Gastspiel in der Mainmetropole nicht. Zu seinem Glück behielt er mit folgender Prognose recht: “Ich glaube nicht, dass der Verein mir Steine in den Vertrag legt.” Eintracht Frankfurt legte dem Malocher in der Tat nirgendwo Steine hin und Legat konnte zum VfB Stuttgart wechseln. Zwar wusste er nicht viel über die fremde Kultur dort im Süden (“Spätzle hab ich noch nicht probiert, aber im Allgemeinen mag ich Geflügel.”), doch zunächst erschien ihm alles besser als Frankfurt.

In Stuttgart brachte er natürlich von Anfang an seine Kämpfertugenden gewinnbringend ein (Die Bayern vertragen keine Härte, und ich bin der erste, der anfängt damit.”). Leider setzte man in Stuttgart häufig auf andere Qualitäten und Techniker wie Lizstes oder Sprinter wie Buck waren gefragter. Thorsten Legat wurde erst zum Ergänzungsspieler ( 15 und 19 Ligaspiele in den ersten beiden Jahren) und als dann auch noch Verletzungspech hinzu kam, verlor er gänzlich den Anschluß.  Eine sportliche Perspektive hatte der bereits ausgemusterte Legat in Stuttgart nun eh nicht mehr, aber mit der Negersaft-Affäre sorgte er vorzeitig (1999) für ein unrühmliches Ende seines bis 2001 datierten Angestelltenverhältnisses.

Nach ein paar Monaten Arbeitlosigkeit fand er in Schalke 04 Anfang 2000 einen neuen Arbeitgeber. Zurück in den Pott, es nochmal allen zeigen, hieß wohl die Devise. Aber auch in königsblau durfte Legat selten auflaufen und 2001 wurde er nach einer einsatzlosen Spielzeit Sportinvalide. Im Ruhestand versuchte er sich bisher als Trainer und kommentiert gerne das aktuelle Fußballgeschehen. Seine Meinung zum heutigen Gekicke:

„Hier ist Ruhrpott – hier, tief im Westen, da gibt es nur eins: Malochen. Ich kriege die Krätze, wenn ich da oben auf der Tribüne sitze. Ich freu mich immer ins Stadion zu gehen, weil ich denke da spielt ein Thorsten Legat irgendwo, aber da gibt es keinen. Da ist keiner, der die Linie rauf und runter läuft, oder aus dem Lauf mal eine Flanke schlägt. Wenn ich das da heute immer sehe – diese Stehfußballer, ohne Mumm und ohne Herz spielen die! Fußball ist ein Mannschaftssport und Fußball ist nur eines: laufen, kämpfen, Tore machen! Ich weiß nicht woran es liegt?“ (Quelle: http://www.pokalschrank.de/archives/36)

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