Steffen Karl

Zu Beginn einer verheißungsvollen Karriere bildete Eisenkarl zusammen mit den anderen Jungspunden René Tretschok und Dariusz Wosz beim HFC Chemie das talentierteste Mittelfeld der späten DDR. Doch NVA-Soldat Karl stolperte mit 19 Jahren über einige bierseelige Fluchtandeutungen im Mannschaftskreis. Auf den Fuß folgte die Degradierung und Zwangsdeligierung zu einem Drittligisten (Stahl Hettstedt). Und während Steffen Karl streng einkaserniert war, zerbrach die Republik um ihn herum und die Mauer fiel. Die Gelegenheit im Weihnachtsurlaub 1989 Fahnenflucht zu begehen und beim BVB anzuheuern. Der ganz große Durchbruch blieb ihm zwar verwährt, aber am Tresen lief er weiterhin zu Höchstleistungen auf und hatte schnell die nötigen Formulare ausgefüllt für die Mitgliedschaft in der Drink and Drive Combo der Bundesliga.

Nach gut vier Jahren Ruhrpott, mit Vizemeisterschaft ’92 und UEFA-Pokal-Finalteilnahme ’93, wurde die Reisefreiheit endlich ausgekostet und es folgten Engagements bei Man City, dem FC Sion, Hertha BSC (Bundesligaaufstieg ’97), FC St. Pauli, Valerenga Oslo und Lokomotive Sofia. Über den ehemaligen sozialistischen Bruderstaat Bulgarien ging es schließlich wieder zurück in die ehemals sozialistische Heimat.

Beim Chemnitzer FC sollte die Karriere ruhig und angemessen ausklingen, endete dann aber doch sehr abrupt durch die Verwicklung in den Hoyzer-Skandal. Doch wer nun denkt, Eisenkarl war nach diesem Eklat geläutert, irrt gewaltig. 2010 manipulierte er fröhlich in der Kreisliga weiter (MDR berichtete): Erkauft wurde ein hoher Sieg mit zwei Fässern Bier… seiner Karrierekonstante. Ein großartiger Spieler, der wohl zu oft auf den falschen Wegen abgebogen ist und auch nicht mehr zurück fand. Hoffen wir, dass er heutzutage etwas ruhiger geworden ist.

Steffen Karl

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