Sonny Silooy

Arminia Vielegeld taufte man Ostwestfalens fußballerische Nr. 1 Mitte der 90er Jahre. Damals investierten die Verantwortlichen des Drittligisten sehr viel Geld in namhafte Fußballer, um schnellstmöglich aus der 3.Liga in die 1.Bundesliga zu kommen. Die erste Rutsche bestand aus den Bundesligarecken Fritz Walter, Jörg Bode, Armin Eck und Thomas von Heesen. Arminia stieg mit seinem gutbezahlten Kader in die 2.Bundesliga auf und mit Ex-Nationaltorhüter Uli Stein kam der nächste Kracher zum Deutschen Sportclub.

Sonny Silooy

Sonny Silooy

Stein begann seine Profilaufbahn bei Arminia und war im Vorjahr beim Hamburger SV aussortiert worden. Nun war er gewillt den Karrierekreis zu schließen und seine Laufbahn als Bundesligatorhüter von Arminia Bielefeld zu beenden. Mit Stein im Tor und vielen anderen erfahrenen Spielern auf dem Platz, gelang den Bielefeldern der Durchmarsch. Zur Saison 1996/97 war Arminia wieder erstklassig. Nun nahm Manager Rüdiger Lamm natürlich nochmal Geld in die Hand und verpflichtete Stuttgarts Idol Günther Schäfer, Frankfurts Rainer Rauffmann, sowie den erfahrenen Stürmer Uwe Fuchs, den frischgebackenen Europameister Stefan Kuntz und Sonny Silooy. Jan Jacobus (genannt „Sonny“) Silooy stand 1996 noch im Champions League Finale mit Ajax Amsterdam. Dort wurde zur tragischen Figur, weil er als einziger Schütze beim Elfmeterschießen gegen Juventus Turin versagte.

Ein Jahr zuvor war der gebürtige Rotterdamer noch siegreich mit Ajax gewesen. Neben dem Champions League Sieg durfte Silooy, der seine Karriere 1980 bei Ajax Amsterdam begann, noch zahlreiche weitere nationale und internationale Titel feiern. Viermal wurde er niederländischer Meister, dreimal KNVB-Pokalsieger und 1992 wurde der UEFA-Pokal errungen. 1995 war mit dem Gewinn der Champions League und dem folgenden Weltpokalsieg der Zenit von Ajax und von Silooy erreicht. Nach der denkbar knapp verpassten Titelverteidigung ’96 entschied sich der 25fache Nationalspieler für einen Vereinswechsel. Bereits von 1987 bis 1989 kehrte er den Niederlanden und Ajax für zwei Jahre den Rücken. Er spielte während dieser Zeit für den Racing Club de France
in Paris. Nun hieß das Ziel Bielefeld in Deutschland.

Silooy wurde zu Saisonbeginn 33 Jahre alt und war nicht mehr ganz so spritzig. Aber sein Name klang immer noch nach internationaler Klasse. Auch wenn der große Wurf Stefan Kuntz hieß, so war es doch das Gesamtpaket aus Kuntz, Stein, von Heesen, Silooy und Co, was für die Investitionsfreude der Bielefelder in der Ägide Lamm und Middendorp stand. Die Medien bejubelten das „Westfälische Wunder“ (Sport-Bild) mit den Supertransfers von Europameister Stefan Kuntz und von Sonny Silooy vom Europacupfinalisten Ajax Amsterdam. Lamm hatte Visionen von einem Super-Dome nahe des Bielefelder Bahnhofs, in dem auch Spiele der WM 2006 statt finden sollten. Doch im Herbst 1996 erhielt die Euphorie einen Dämpfer.

Lamm hatte sich verkalkuliert. Bielefeld war Tabellenletzter, Stadionauslastung und Sponsorenzuwendungen waren nicht so hoch wie erhofft, Silooy schlug nicht richtig ein und Stefan Kuntz zwar schon, aber der Nationalstürmer war mit 2,5 Millionen Ablöse und einem üppigen Jahressalär eigentlich viel zu teuer für den Club. Die Verbindlichkeiten waren immens und ein Liquiditätsengpass drohte. Großverdiener Sonny Silooy (900.000 DM) wurde nahe gelegt sich einen neuen Verein zu suchen. Doch der opulent entlohnte Niederländer machte deutlich, dass er seinen Vetrag zur Not auf der Tribüne absäße.

Dort oder auf der Bank verbrachte Silooy die meiste Zeit zwischen Oktober 1996 und März 1997. Ab dem 21. Spieltag war der Abwehrspieler wieder gesetzt und trug zum gefeierten Klassenerhalt bei, der auch die finanzielle Situation etwas entspannte. Anstatt Stars wurden Talente und Exoten wie die Iraner Ali Daei und Karim Bagheri verpflichtet. Die teuren Altstars Stein, Eck und Walter verließen die Arminia. Doch was Entlastung bei den Finanzen schaffte, wurde auf dem Rasen eher zur Belastung. Der Deutsche Sportclub stieg als Tabellenletzter ab und Sonny Silooy kehrte mit 17 weiteren Bundesligaspielen in der Vita (insgesamt 37 Einsätze in zwei Saisons) zurück in die Niederlande. Kuntz ging zum VfL Bochum und Ali Daei zu Bayern München. Manager Rüdiger Lamm trat zurück. Das ehrgeizige und bis dato so imposante Projekt „Arminia 2000“ war ausgebremst. Die folgenden Jahre sollte Arminia Bielefeld zwischen 1. und 2.Bundesliga pendeln, bis man 2011 sowohl sportlich als auch finanziell abstürzte und sich nun in der 3.Liga wiederfindet. Dort wo Rüdiger Lamm 1994 seine Visionen entwickelte.

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