Siegfried Gast

Mainflingen ist ein Ortsteil von Mainhausen, einer Gemeinde im Landkreis Offenbach am Main. Die dortige TSG kann sich rühmen den Stürmer Siegfried Gast für den großen Nachbarn Offenbacher Kickers ausgebildet zu haben. Jener Angreifer spielte von 1956 bis 1963 156mal für den OFC in der Oberliga Süd und schoss dabei 94 Tore. In seinem zweiten Jahr wurde er mit 20 Treffern Oberliga-Torschützenkönig.

1959 wurde der OFC hinter Eintracht Frankfurt Vizemeister im Süden und zog in die Endrunde der Deutschen Meisterschaft ein. Tasmania Berlin, Westfalia Herne und der Hamburger SV konnten die Mainstädter nicht bremsen und so zog man ins Endspiel ein. In Berlin war der Gegner der große Rivale Eintracht Frankfurt von der anderen Mainseite. In einem legendären Spiel musste sich der OFC der Eintracht mit 5:3 nach Verlängerung geschlagen geben. Gast gelang der dritte Offenbacher Treffer in der 110.Minute, der beim Stande von 4:2 fiel und die Kickers nochmal hoffen ließ. Doch der große Triumph blieb dem 1938 geborenen Metzgermeister verwehrt.

Siegfried Gast

Siegfried Gast

Im Folgejahr zeigte sich Gast wieder gewohnt treffsicher in der Oberliga (20 Treffer) und die Kickers zogen erneut in die Meisterschaftsendrunde ein. Diesmal setzte sich allerdings Westfalia Herne gegen den OFC in der ersten K.O.-Runde durch. 1963 wurde die Oberliga abgeschafft und die Kickers Offenbach durften nicht in die neu geschaffene Bundesliga einziehen. Die guten Platzierungen in der Oberliga Süd (dreimal Vizemeister, zweimal Vierter, einmal Fünfter und einmal Siebter) ließen den OFC zum Härtefall ohne Happy End werden.

Ab 1963 hieß die Offenbacher Wirklichkeit zweitklassige Regionalliga Süd. Dort traf Siegfried Gast munter weiter (in drei Jahren 69 Treffer bei 106 Einsätzen), aber der OFC wurde zunächst nur zweimal Tabellendritter. 1966 lief man schließlich als Vizemeister ein und durfte an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga teilnehmen. Dort musste man sich mit in einer Gruppe mit Hertha BSC, dem FK Pirmasens und Fortuna Düsseldorf messen. Durchgesetzt hatte sich am Ende die Fortuna.

Zu diesem Zeitpunkt war Siegfried Gast bereits eine halbe Million Mark reicher. Der Metzgermeister hatte im Lotto gewonnen und generell waren die Fans beunruhigt, ob ihr Stürmer überhaupt noch weiter kicken will für ein paar Tausend Mark. Präsident Horst-Gregorio Canellas beschwichtigte: „Der Siegfried ist ein besonnener Bursche. Er wird weiter Fußball spielen.“ Gelogen war das nicht. Allerdings wechselte der 27jährige zurück zum Heimatverein TSG Mainflingen, wo er 1970 die Kreismeisterschaft feiern durfte und die Karriere ganz gemütlich abseits von Profifußball, Medien und Leistungsdruck ausklingen ließ.

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