Rudolf „Rudi“ Brunnenmeier

In den ersten drei Jahren war Rudi Brunnenmeier einer der Superstars der neu eingeführten Bundesliga. Er war nach Uwe Seeler der zweite Torschützenkönig der Bundesligageschichte und beim TSV 1860 München der Torjäger vom Dienst. Seine Karriere startete er 1960 in Giesing (er kam vom SC Olching zu den Löwen) und war schon in der Zeit vor Gründung der Bundesliga ein gefeierter Goalgetter der Oberliga Süd. Dort errang er 1961 und 1963 die Torjägerkanone. 1963, in der letzten Meisterschaft vor Einführung der Bundesliga, gewann er mit 1860 außerdem die Süddeutsche Meisterschaft. Drei Jahre später reichte es dann zum ganz großen Wurf; er wurde mit den Giesingern Deutscher Fußballmeister der Spielzeit 1965/66.

Rudolf Rudi Brunnenmeier

Rudolf Rudi Brunnenmeier © abendzeitung-muenchen.de

Bereits zwei Jahre zuvor, anno 1964, feierte Brunnenmeier den Gewinn des DFB-Pokals und in der darauffolgenden Saison stand er mit den „Sechzgern“ im Finale des Europapokals der Pokalsieger. Dort unterlag man in London gegen den Lokalmatador West Ham United mit 0:2. Die „Sechzger“ waren in den 60er Jahren auf ihrem Höhepunkt und Rudi Brunnenmeier war neben Torhüter Petar Radenkovic der große Star im Löwen-Ensemble. Doch bereits auf dem Höhepunkt seiner Karriere hatte Brunnenmeier ein Alkoholproblem. So kam er im Sommer 1965 stark alkoholisiert nach Hause, als der Postbote ihm ein Eiltelegramm mit der Berufung in die B-Nationalmannschaft überreichte. Problem: Das Spiel gegen die Sowjetunion war schon am selben Abend und sein Flieger zum Spielort Köln ging in wenigen Minuten. Brunnenmeier bekam die Maschine und schlief nachmittags seinen Rausch im Hotel aus. Abends traf er nach seiner Kurz-Reha gleich zweimal beim 3:0 gegen die UdSSR. Für die A-Nationalmannschaft bestritt Brunnenmeier übrigens fünf Länderspielen (3 Tore).

Schon nach der Meisterschaft 1966 baute Brunnenmeier leistungsmäßig ab und kam nur noch auf 21 Bundesligaeinsätze. Konnte er zur Meisterschaft noch 15 Treffer beisteuern, traf er nun nur noch siebenmal. Für die Tore sorgten immer häufiger Mittelfeld-As Hans Küppers und die Sturmkollegen Peter Grosser und Hans Bründl. 1967/68 kam der 27jährige Brunnenmeier nur noch auf 12 Einsätze und erzielte dabei ein einziges Tor. Rudi Brunnenmeier verließ 1860 nach dieser enttäuschenden Saison und tingelte noch bis 1980 als Spieler durch die Alpenländer Schweiz, Österreich und Liechtenstein.

Als die Karriere endgültig vorbei war, lief nicht mehr viel zusammen im Leben des Rudolf Brunnenmeier. Beruflich versuchte er dort Fuß zu fassen, wo er sich neben dem Platz am wohlsten fühlte. Er wurde Manager der Nachtclubs „Pik Dame“ und „Dolly Bar“. Dort war er selbst sein bester Kunde und durfte zusehen wie seine Ehefrau das gemeinsame Haus in München verkaufte und mit dem Erlös durchbrannte. Das Geld was Brunnenmeier blieb, verprasste er in seinem Milieu aus Rotlicht, Alkohol und Glücksspiel.

1987 musste Brunnenmeier nach einer Trunkenheitsfahrt für ein halbes Jahr ins Gefängnis. Danach versuchte er als Versicherungsvertreter Geld zu verdienen, aber der einstige Torjäger brachte im provisionsabhängigen Drückergeschäft kaum Abschlüsse zustande. Schließlich fälschte er Versicherungsverträge, um an die Provisionen zu kommen und wurde so erneut als Straftäter vor Gericht abgeurteilt. Fortan hielt sich Brunnenmeier als Tagelöhner auf dem Bau, Rausschmeißer in Rotlichtbars oder Brezelverkäufer in der Münchner Innenstadt über Wasser. Er gehörte zu der Sorte Ex-Fußballprofis, die hofften an der Theke erkannt zu werden, um dann für eine kurze Anekdote einen Trink und einen Schulterklopfer spendiert zu bekommen

Eine kurze Wende brachte nochmals der geliebte Fußballsport. Für das Traineramt in Garmisch wurde er trocken und stieg binnen drei Jahren von der Bezirksebene in die Landesliga auf. Dort stellte sich erstmals sportlicher Misserfolg ein und Rudi Brunnenmeier wurde entlassen. Ein schwerer Rückschlag für ihn, seine Konsequenz daraus: „Ich trinke mich jetzt tot!“ Bedauerlicherweise ließ er den harten Worten Taten folgen und starb 2003 als verarmter und vereinsamter Alkoholiker in seiner Olchinger 35qm-Wohnung. Der einstige Fanliebling, der keine Angehörigen hinterließ, wurde auf Kosten seines Ex-Clubs TSV 1860 München und unter großer öffentlicher Anteilnahme auf dem Münchner Ostfriedhof beigesetzt. Noch heute ist er mit 66 Toren der erfolgreichste Bundesligatorjäger der Giesinger. Eben eine echte Legende.

Bildquelle: abendzeitung-muenchen.de

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