Roland Wohlfarth

Am 21. Januar 1963 erblickte Bocholts berühmtester Sohn das Licht der Welt. Seine Eltern tauften ihn Roland und meldeten ihn zeitnah bei der örtlichen Borussia zum Fußball spielen an. Der junge Wohlfarth durchlief alle Jugendmannschaften von Borussia Bocholt und schoß dabei Tore wie am Fließband. Kein Wunder, dass die Scouts des geographisch nächst gelegenen Bundesligisten MSV Duisburg auf ihn aufmerksam wurden.

Die Meidericher verpflichteten Wohlfarth 1981 für ihre 1.Mannschaft und gleich am 1.Spieltag der Saison 1981/82 durfte der Nachwuchsstürmer sein Debüt in der 1.Bundesliga geben. Sein erstes und einziges Saisontor gelang Wohlfarth im März 1982 gegen Eintracht Frankfurt. Am Ende kam der Stürmer 17 Bundesligaeinsätze und musste im Sommer 1982 mit dem MSV den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.
Dieser Abstieg entpuppte sich als vorteilhaft für die weitere Karriere des Bocholters. So schaffte er es in der ersten 2.Liga-Saison auch in fast jedem zweiten Spiel zu treffen (19 Spiele / 8 Tore) und im zweiten Jahr im Unterhaus traf er dann fast in jedem Spiel (35 Spiele / 30 Tore). Diese steile Entwicklung nach oben blieb auch dem großen FC Bayern München nicht verborgen und jener Topclub verpflichtete 1984 den amtierenden Torschützenkönig der 2.Bundesliga.

Roland Wohlfarth

Roland Wohlfarth

Dass dieser Mann nun fast zehn Jahre lang Bayerns treffsicherster Stürmer sein würde, dürften aber zunächst nur die Optimisten für möglich gehalten haben. Immerhin hatte gerade Weltklassestürmer Karl-Heinz Rummenigge den FCB in Richtung Italien verlassen und mit seinem talentierten jüngeren Bruder Michael und mit Dieter Hoeneß gab es noch zwei weitere Topstürmer im Kader des FCB. Dazu schielten auch Mathy und Kögl auf einen Stammplatz im Bayernsturm. Doch am Saisonende konnte der Neue die meisten Einsätze und Tore verbuchen (32/12).

In seinem zweiten Jahr bei Bayern war zwar Dieter Hoeneß torgefährlichster Stürmer (15 Treffer), doch auch Wohlfarth bewies mit 13 Saisontoren, dass er keine Eintagsfliege war. Mehr noch, mit seinen drei Treffern im DFB-Pokalfinale 1986 gegen den VfB Stuttgart (5:2) wurde Wohlfarth zu einem Helden. Außerhalb des Platzes war der heimatverbundene Bocholter dagegen eher der Anti-Star. Von Selbstinszenierung und großen Worten hielt er nichts, Interviews und anderen PR-Terminen ging er aus dem Weg. Im Strafraum war er ein eiskaltes Raubtier, außerhalb dagegen ein scheues Reh.

So nahm er auch Jahr für Jahr klaglos hin, dass die Bayern ihm immer wieder einen verheißungsvollen Stürmerstar vor die Nase setzten. Aber ob nun 86/87 Lars Lunde, 87/88 Mark Hughes oder 88/89 Johnny Ekström, keiner der internationalen Stars kam dauerhaft an Wohlfarth vorbei. Jahr für Jahr traf der schüchterne Stürmer zweistellig und bildete mit der Tor-Kobra Jürgen Wegmann oder wahlweise mit Michael Rummenigge ein brilliantes nordrhein-westfälisches Duo im Bayernsturm. 1989 war dann auch das Jahr in dem er mit 17 Saisontoren erstmals die Torjägerkanone in Empfang nehmen durfte.

Zur Saison 1989/90 war Wegmann Rummenigge (der bereits 1988 Borusse wurde) nach Dortmund gefolgt und Wohlfarths neue Sturmkameraden in München hießen Alan McInally und Radmilo Mihajlovic. Zwar kam Wohlfath nicht auf so viele Einsätze wie die beiden Neuen, traf aber mit 13 Saisontoren in 24 Spielen fast genauso oft wie der schottische (10 Treffer) und der jugoslawische (4 Treffer) Nationalstürmer zusammen. Am 6. September 1989 kam Roland Wohlfarth auch zu seinem zweiten und letzten A-Länderspiel (1:1 gegen Irland). Es gelang dem Torschützenkönig leider nicht, sich dem Teamchef nochmal nachhaltig zu empfehlen und so wurden 1990 andere Stürmer wie Völler, Klinsmann, Riedle oder auch Frank Mill Weltmeister.

Der bodenständige Bocholter nahm es klaglos hin und wurde 1991 wieder Torschützenkönig der Bundesliga. Diesmal mit der persönlichen Saisonbestmarke von 21 Treffern bei 34 Einsätzen. Der neue Sturmpartner war der pfeilschnelle Däne Brian Laudrup (33 Spiele / 9 Tore), während McInally und Mihajlovic nur noch Ergänzungsspieler waren. Im Jahr darauf gab es mit dem Brasilianer Mazinho und dem Deutsch-Italiener Bruno Labbadia wieder starke Wettbewerber um den Stammplatz im Bayernsturm, erfolgreichster Angreifer war am Ende aber wieder der Leisetreter aus NRW (29 Spiele / 17 Tore). Erst 1992/93 riss Wohlfarths Erfolgsserie beim FCB. Er kam nur noch auf 21 Einsätze und mit vier Saisontoren war es die einzige Spielzeit, in der er nicht zweistellig traf.

Im Sommer 1993 verpflichtete Bayern für teilweise viel Geld mit Adolfo Valencia, Alexander Zickler, Marcel Witeczek und Harald Cerny gelich vier neue Stürmer. Dazu waren Mazinho und Labbadia auch noch weiterhin unter Vertrag. Zeit für Wohlfarth zu gehen. Er hatte neun Jahre lang beim FC Bayern Jahr für Jahr gekämpft. Zum einen gegen die ihm ständig vorgesetzten neuen Konkurrenten im Sturm, einen Kampf den immer nach wenigen Wochen für sich entschied. Zum anderen musste Wohlfarth Jahr für Jahr gegen die Pfunde ankämpfen. Er war ein Genussmensch, Freund der deftigen Küche und eines leckeren Feierabendbierchens und geriet so immer wieder durch die sichtbaren Pölsterchen in die Kritik.

Genussvoll leben konnte er von nun an eineinhalb Jahre in Frankreich beim AS Saint-Etienne. Seine Tore machte er aber auch hier (21 Treffer in 41 Spielen). Seine Erinnerungen an die Zeit in Frankreich: „Da konnte ich fein essen und musste nicht auf die Waage.“ Der ewige Feind die Waage kehrte aber 1995 wieder zurück ins Leben von Roland Wohlfarth, als er zum VfL Bochum wechselte und diesen Verein vorm Abstieg in die 2.Bundelsiga retten sollte. Dummerweise brachte er Stürmer einige Kilogramm Winterspeck aus Frankreich mit und wusste sich nur mit Appetitzügler aus der Apotheke zu helfen. Diese Tabletten waren zwar frei erhältlich und medizinisch unbedenklich, enthielten aber die auf der Dopingliste stehende Substanz Norephedrin. Wenig später wurde Wohlfarth positiv getestet und für drei Monate wegen Dopings gesperrt. Ausgerechnet Roland Wohlfarth, vielleicht als pfundiger Genussmensch nicht der Musterprofi, aber eben ein absolut fairer und skandalfreier Sportsmann, wurde somit zum ersten überführten Dopingsünder der Bundesligageschichte.

Als die Umstände klar waren und niemand ihm böswillige Absicht unterstellen wollte, legte sich auch wieder der Presserummel um den ersten Dopingfall der Bundesliga. Wohlfarth konnte in der Rückrunde 95/96 noch elfmal (torlos) eingreifen und musste am Ende mit dem VfL Bochum in die 2.Bundesliga absteigen. Mit 7 Treffern in 24 Spielen war der Stürmer nochmal am direkten Wiederaufstieg mitbeteiligt, die großen Jahre waren für ihn aber endgültig vorbei. Es folgten noch vier Spielzeiten in der 1. (Bochum), 2. (VfB Leipzig), 3. (Wuppertaler SV) und 4.Liga (1.FC Bocholt), bei denen Wohlfarth auf wenige Einsätze und Tore kam. Es war Zeit die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen, wieder einem klassischen Beruf auszuüben (der gelernte Estrichleger ist Bauleiter in seinem Bocholter Ausbildungsbetrieb) und im Bocholter Eigenheim einen ruhigen und gemütlichen Lebensabend zu verbringen. Die Pfunde sind deutlich mehr geworden und die Haare weniger, aber Erinnerungen hat der Mann noch genug an eine bewegte Karriere. Und bei Bayern werden sie den dritterfolgreichsten Stürmer nach Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge sicher auch nie vergessen.

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