Oliver Bierhoff

In welcher Mannschaft spielten die großen Torjäger Olaf Bodden, Martin Max und Oliver Bierhoff zusammen? Spätestens wenn man hinzufügt, dass das Trio zusammen mit Europas Fußballer des Jahres ’86 Igor Belanow und Hans-Jörg Criens die Abteilung Attacke bildete, sollte der Groschen fallen. Die fünf Stürmer standen 1989/90 gemeinsam bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag, Criens war der zuverlässige Torjäger vom Dienst, Belanow der frisch verpflichtete Superstar aus der Sowjetunion und die Herren Bodden, Max und Bierhoff die jungen hungrigen Talente dahinter. Doch was sich ein bißchen wie der Sturm eines All-Star-Teams der 90er liest, war 1990 noch alles andere als erfolgreich. Die Borussia geriet in akute Abstiegsgefahr und einzig Criens war ein treffsicherer Stürmer. Belanow war bereits über seinen Zenit (einer der großen Transferflops der Bundesligageschichte) und das junge 68er-Trio (alle drei Stürmer sind Jahrgang 1968), hob sich den Durchbruch für spätere Stationen auf. Sie blieben torlos (Bodden 3Spiele/0Tore, Max 14/0 und Bierhoff 8/0).

Oliver Bierhoff

Oliver Bierhoff © abendblatt.de

Für den 22jährigen Bierhoff war Borussia Mönchengladbach bereits und dritte und letzte Bundesligastation seiner Karriere. Der Stürmer, der in seiner Essener Jugend das Kicken bei ETB Schwarz-Weiß und das Singen im Essener Domknabenchor erlernte, begann 1986 seine Profilaufbahn bei Bayer 05 Uerdingen. In Krefeld verdiente sich Bierhoff erste Sporen, hatte aber mit Kuntz, Witeczek und Mathy namhafte Konkurrenz. Mit 20 Jahren (nach 31 Spielen und 4 Toren) wechselte der U21-Nationalspieler zum Hamburger SV, wo sich Trainer Reimann viel von dem Sprössling aus einer Unternehmer- und Beamtenfamilie erhoffte. Der HSV wurde Vierter und Bierhoff traf in 24 Spielen immerhin 6mal. Seine Leistungen waren insgesamt allerdings als durchwachsen zu bezeichnen und im 2.Jahr an der Elbe war Bierhoff nur noch ein glückloser Ergänzungsspieler. Der HSV pendelte erfolglos zwischen Tabellenmittelfeld und Abstiegskampf und Bierhoff lief in der Hinrunde 10mal torlos für die Rothosen auf.

Zur Rückrunde 1990 wechselte der 10fache U21-Nationalspieler (7 Tore) zu Borussia Mönchengladbach. Am Bökelberg sah es tabellarisch noch schlechter aus und Oliver Bierhoffs acht torlose Einsätze trugen sicher nicht signifikant zum gerade so geglückten Klassenerhalt bei (Platz 15 hieß am Ende für die Elf vom Niederrhein). Der inzwischen an der Fernuniversität Hagen immatrikulierte BWL-Student, versuchte sein Glück fortan im Ausland. Er wurde zum gefeierten Stürmerstar in Salzburg, Ascoli, Udine (1998 Torschützenkönig der Serie A) und beim AC Mailand (1999 Meister der Serie A).

Seine guten Torquoten in Italien machten den Bundestrainer Berti Vogts 1996 auf Bierhoff aufmerksam. Als Vogts im Frühsommer darüber grübelte, wen er denn als 4.Stürmer hinter Klinsmann, Kuntz und Bobic nominieren solle, kam ihm Ehefrau Monika zur Hilfe. „Nimm den Bierhoff mit nach England, der wird’s dir danken“, sagte sie zu ihrem Mann und am Ende durfte die ganze Fußballnation Frau Vogts für ihr gutes Gespür ein Dankeschön aussprechen. Denn Bierhoff schoss im Finale mit seinem Golden Goal Deutschland zum EM-Titel.

Bierhoff hatte doch noch den Durchbruch in Deutschland geschafft, wenn auch nicht in der Bundesliga. Er war die kommenden Jahre ein torgefährlicher Nationalstürmer und wurde zum gefragten Werbeträger. Einhergehend mit seinem Karriereende Anfang des neuen Jahrtausends, schloss er nach 26 Semestern 2002 auch sein Studium als Diplom-Kaufmann ab und ist seit 2004 Teammanager der Nationalmannschaft. Ein Posten, der eigens für ihn geschaffen wurde und bei dessen Ausübung sich der einstige Liebling der Nation wieder häufig mit Kritik auseinandersetzen muss. So wie einst als Bundesligaspieler, wo er sich auch mehr Kritikern als Fans stellen musste.

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