Olaf Bodden

1989: Olaf Bodden ist 1,92m groß und wiegt fast 90kg, als er seine Bundesligakarriere bei Borussia Mönchengladbach beginnt.
1999: Olaf Bodden hat vor zwei Jahren sein letztes Bundesligaspiel bestritten, ist immer noch 1,92m groß, wiegt aber keine 60kg mehr. Das chronische Erschöpfungssyndrom hat aus dem einstigen Sturmbrecher eine kraftlose und abgemagerte Erscheinung gemacht. Bodden kann nicht mal mehr im Haushalt helfen, ist bettlägrig. An Profifußball ist nun nicht mehr zu denken.

Dabei war ein Comeback lange das Ziel des Angreifers in Diensten des TSV 1860 München. In der Saison ’95/’96 schoss Bodden 14 Saisontore für die Münchner Löwen. Es schaffte es in das Notizbuch des Bundestrainers und auf die Einkaufslisten der Topclubs Bayern München und Borussia Dortmund. Doch dann erkrankte der Hüne 1996 am Pfeifferschen Drüsenfieber. Bodden fällt lange aus und kämpft sich mühsam wieder ran. Im Frühjahr ’97 kehrt er in die Mannschaft zurück und kann im zweiten Spiel gegen Arminia Bielefeld gleich einen Hattrick erzielen. Ein Happy-End ist in seiner Vita allerdings nicht vorgesehen und so erleidet er einen Rückfall, der ihn auf unbestimmte Zeit außer Gefecht setzt. Bodden fühlt sich schlapp, hat nicht einmal die Kraft für die einfachsten Handgriffe und rennt von Arzt zu Arzt. Schließlich wird bei ihm CFS, das chronische Erschöpfungssyndrom, diagnostiziert.

Olaf Bodden

Olaf Bodden

Olaf Bodden ist chronisch krank (u. a. ständige Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Magenschmerzen) und muss seine Laufbahn beenden, die vor seiner Erkrankung so steil nach oben ging. Der Stürmer, der sich in Gladbach gegen namhafte Konkurrenz (Criens, Max, Bierhoff, Belanow) nicht durchsetzen konnte, kam über Hansa Rostock zum TSV 1860 München. Bei den Löwen ging er mit Bernhard Winkler erfolgreich auf Torejagd und etablierte sich mit den „Sechzgern“ in der 1.Bundesliga. Den nächsten großen Schritt zerstörte nun eine heimtückische Krankheit, deren Behandlung Bodden viel Geld kostete und deren Symptome seine Lebensqualität massiv beschnitten. Und auch mit seiner Frau Sina meinte es das Schicksal nicht gut. Sie musste gegen zwei Gehirntumore ankämpfen. Die Eheleute Bodden mussten nach der Karriere des Mannes die Stadien der Bundesliga gegen Behandlungszimmer und Reha-Kliniken eintauschen.

Zu allem Überfluss musste Bodden auch noch mit seiner Krankenkasse gerichtlich um die Kostenübernahme seiner Therapien ringen. Es war langer Gerichtsstreit, der in einen Vergleich mündete und dem einstigen Star nur einen kleinen Teil der Behandlungskosten wieder gutschrieb. Heute lebt der gebürtige Rheinländer weiterhin in München und ist wieder regelmäßiger Gast bei 1860 München. Dass man ihn damals nicht richtig verabschiedet hat und bei seiner Erkrankung Unterstützung vermissen ließ, hat der Torjäger verziehen. Mittlerweile trainiert er die Traditionsmannschaft der Löwen und schaut seinen Erben im Sechzger-Sturm von den Rängen der Fröttmaninger Arena zu. Es geht ihm nach langen Jahren schwerer Krankheit wieder besser, gesund ist er aber noch lange nicht.

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