Michael Kutzop

Der 1955 in Schlesien geborene Michael Kutzop siedelte als 13jähriger mit seinen Eltern in die Bundesrepublik Deutschland über. Offenbach wurde zur neuen Heimat für die deutsch-polnische Familie und Spross Michael empfahl sich innerhalb eines Jahres für die Jugend des größten Offenbacher Vereins. Doch beinahe wäre die Karriere mit 17 Jahren schon vorbei gewesen. Der A-Jugendliche der Kickers (in einer Mannschaft mit den späteren Stars Jimmy Hartwig und Dieter Müller) leistete Wehrdienst, verletzte sich schwer am Arm und absolvierte eine Lehre zum KfZ-Mechaniker. Aktiv Fußball spielte Kutzop erst wieder ab 1976 beim Landesligisten Gemaa Tempelsee und rief sich so wieder in die Erinnerung seines großen Heimatvereins.

Der OFC stattete Kutzop 1978 mit seinem ersten Profivertrag aus. Nach einem Jahr Anlaufzeit wurde der Schlesier zum Stammspieler beim Zweitligisten und brachte es auf 130 Einsätze in vier Jahren. Dann stiegen die Kickers wieder in die 1.Bundesliga auf und der Defensivspieler gehörte auch hier zu den Leistungsträger. 1984 wechselte Michael Kutzop zu Werder Bremen und setzte sich dort ebenso durch. Schon im zweiten Jahr bestritt er alle 34 Ligaspiele und erzielte 10 Tore.

Michael Kutzop

Michael Kutzop © abendblatt.de

Seine Spezialität waren Elfmeter. 39 von 40 Strafstößen in seiner Profikarriere verwandelte der gebürtige Lublinitzer. Sein einziger Fehlschuss war ausgerechnet der wichtigste Elfer seines Lebens. Wir schreiben die Saison 85/86, Werder ist Tabellenführer und am vorletzten Spieltag empfängt man den Verfolger Bayern München. Es war Kutzops 33.Spiel, er spielte eine überragende Runde und hatte bereits 10 Treffer zu Werders Höhenflug beigetragen. In der 77.Minute wird der zuvor wochenlang ausgefallene Torjäger Rudi Völler eingewechselt und kurz vor Spielende schießt Völler Bayerns Sören Lerby im Strafraum an. Der Schiedsrichter entscheidet auf Handspiel und zeigt auf den Punkt.

Es ist die 89. Minute, inzwischen sind zwei Minuten seit dem Pfiff vergangen. Kutzop tritt an, wartet wie immer bis der Torwart sich bewegt und schiebt den Ball sodann in die richtige Ecke. Keine Chance für Bayerns Keepers Pfaff. Bruchteile von Sekunden steht das Stadion still, dann knallt der Ball gegen den Pfosten. Bayern jubelt, Werder und Kutzop können es nicht fassen. Das Spiel endet 0:0, gefühlt ist es eine Niederlage für den Tabellenführer.

Die Bremer nehmen nun einen 2-Punkte-Vorsprung mit nach Stuttgart. Gegen die Schwaben gewann man das Hinspiel bereits ganz souverän 6:0, das will man ein halbes Jahr später am liebsten wiederholen. Ein 6:0 aber gelingt an diesem 34.Spieltag nur dem FC Bayern München im Olympiastadion gegen den alten Rivalen Borussia Mönchengladbach. Der Verfolger hat somit die Pflicht erfüllt. Und was macht der Tabellenführer aus der Freien Hansestadt? Man verliert gegen den VfB. Nach zwei Allgöwer-Toren kann Routinier Burgsmüller nur noch auf 2:1 verkürzen. In München wird gejubelt und in Stuttgart herrscht Tristesse beim SVW und Anhang. Durch das bessere Torverhältnis heißt der Meister 1986 FC Bayern.

Michael Kutzops einzige Fahrkarte beim Elfmeter wäre bei einem Titelgewinn von Werder schnell vergessen gewesen. Vielleicht nur eine Randnotiz für Werder-Enthusiasten. So wurde es mitunter der berühmteste Strafstoß der Bundesligageschichte. Die alten Kollegen wie Rudi Völler frotzeln immer noch beim Wiedersehen mit Michael Kutzop. So ist Völler „wegen Kutzop“ nie Deutscher Meister geworden. Und auch der gescheiterte Schütze weiß mittlerweile; Tragik ist Komik in Spiegelschrift und sieht’s im Abstand von über 25 Jahren ganz humorvoll. Auch ein tragischer Held hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicher.

Bildquelle: http://www.abendblatt.de/sport/fussball/article1021951/Sein-Fehlschuss-war-ein-Hoehepunkt-seiner-Karriere.html

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