Marcel Raducanu

Der Rumäne Marcel Raducanu begann seine Karriere beim Militärclub Steaua Bukarest. Formell war er damit Soldat der rumänischen Streitkräfte und bei seinem ersten Spiel für Steaua bekleidete er automatisch den Rang eines Unteroffizier. Zehn Jahre und 290 Ligaspiele später war Raducanu Hauptmann in der Armee des sozialistischen Diktators Nicolae Ceaucescu und Nationalspieler seines Heimatlandes. Doch auch das privilegierte Leben eines Berufsfußballers im Sozialismus befriedigte den Mittelfeldstar nicht vollends und Fluchtgedanken breiteten sich in seinem Kopf aus.

1981 absolvierte Steaua ein Trainingslager in Nordrhein-Westfalen und bei einem Freundschaftsspiel in Kassel traf Raducanu einen alten Freund wieder, der erfolgreich geflüchtet war und nun in Hannover lebte. Gemeinsam entwickelten sie einen Fluchtplan für das kommende Testspiel gegen Borussia Dortmund. Der Spieler sollte eine bärenstarke 1.Halbzeit spielen, um sich nochmal in den Fokus deutscher Beobachter zu bringen, und dann eine Verletzung vortäuschen. Draußen vorm Stadion wartete der Kumpel im Fluchtwagen und man brauste über die A2 nach Hannover. Dort unterschrieb Raducanu einen Vertrag bei 96, sollte aber nie für die Roten auflaufen. Denn der begabte Spielmacher aus Rumänien hatte auch Dortmunder Begehrlichkeiten geweckt und unterschrieb ebenso beim BVB einen Kontrakt.

Während der von der UEFA verhängten einjährigen Sperre konnte der Vertragsstreit gerichtlich geklärt werden und Raducanu lief 1982 das erste mal für den BV Borussia auf. Hannover 96 bekam 500.000 DM als Entschädigung aus Dortmund überwiesen und der Rumäne absolvierte bis 1988 163 Bundesligaspiele für die Borussen. Dabei erzielte er 31 Treffer und avancierte zu einem Publikumsliebling. Seine Karriere ließ er von ’88 bis ’91 beim FC Zürich ausklingen und trotz des Sturzes von Ceaucescu und des Falls des eisernen Vorhangs, zog es ihn nach dem Karriereende wieder zurück nach Dortmund. Dort betreibt er seit 1994 eine Fußballschule.

Marcel Raducanu

Marcel Raducanu © Münstersche Zeitung

Bild: http://www.muensterschezeitung.de/lokales/steinfurt/lokalsport/Das-hat-Steinfurts-Fussball-Welt-noch-nicht-gesehen%3Bart1003,749091

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