Klaus und Britta Steilmann

Der 1929 in Neustrelitz geborene Klaus Steilmann war 45 Jahre später einer der glühensten Lokalpatrioten seiner neuen Heimat Wattenscheid geworden. Tief im Westen sollte zum 1.Januar 1975 die Souveränität der kreisfreien Stadt Wattenscheid geopfert werden. Sie durfte nur noch Ortsteil der etwas größeren Nachbarstadt Bochum sein. Ein Jahr zuvor begann der Textilmillionär sich bei der SG Wattenscheid 09 zu engagieren. Dieser Fußballverein sollte fortan ein Instrument seines Protestes gegen die Eingemeindung sein und die Identität Wattenscheids erhalten und es bundesweit bekannter machen.

Die Wattenscheider spielten seit 1969 zweitklassig und waren 1974 Teil der neu geschaffenen 2.Bundesliga geworden. Dort spielten sie ununterbrochen bis 1990. Dann gelang den Schwarz-Weißen der Aufstieg in die 1.Bundesliga. Die Stadt Bochum hatte nun Kraft der Gebietsreform von 1975 zwei Bundesligisten. Der VfL, oft als die graue Maus der Liga bezeichnet, hatte jetzt Gesellschaft aus der eigenen Gemarkung bekommen. Einen Verein der auch nicht bunter wirkte. Zwar gelang mit einem Sieg gegen die Bayern in der Premierensaison und dem Senegalesen Souleyman Sané der eine oder andere Farbtupfer, aber dennoch verirrten sich selten mehr als 10.000 Zuschauer ins Wattenscheider Lohrheidestadion.

Klaus und Britta Steilmann

Klaus und Britta Steilmann © muensterschezeitung.de

Auch für Sponsoren außerhalb der Steilmann-Gruppe (Europas größter Modekonzern seinerzeit mit dem Slogan „Mode für Millionen“) war die SGW nicht gerade attraktiv und so ist es schon eine beachtliche Leistung des kleinen Clubs immerhin dreimal die Klasse gehalten zu haben. Ohne große Stars, abgesehen vielleicht von Sané und dem jungen Thorsten Fink, konnten die Mannen von Trainer Hannes Bongartz mit Kampf und Herz für einige Überraschungen sorgen und machten so ihren Präsidenten Klaus Steilmann froh. Der fuhr Zeit seines Lebens übrigens aus Protest nur ein Auto mit Essener Kennzeichen. BO kam ihm nicht in die Tüte.

Gegen den ungeliebten Nachbarn verlor man übrigens das erste Bundesligaderby sogleich 0:4. Am Saisonende stand Wattenscheid 09 (11.) dennoch vor den Jungs von der Castroper Strasse, da der VfL nur 14. wurde. 91/92 wurde man in der ersten gesamtdeutschen 1.Bundesliga 16. von 20 Mannschaften, was einen Tabellenplatz hinter dem VfL Bochum gerade noch so den Klassenerhalt bedeutete. Insgesamt zweimal trennten die sich ungeliebten Nachbarn Unentschieden, dreimal gewann der VfL und einmal ging der Sieg an „BO“-Wattenscheid (10:5 Tore für den VfL in der Gesamtbilanz). Nach Bochums Abstieg 1993 war die SG 09 noch ein Jahr allein im Fußball-Oberhaus, doch den dauerhaften Machtwechsel in der Stadt Bochum und somit eine Revanche für die aufgezwungene Eingemeindung, erreichten die Wattenscheider nicht.

Steilmann-Tochter und SG-Managerin Britta arbeitete im vierten Bundesligajahr glück- und erfolglos. Ihre Zielsetzungen („Die Spieler zu umweltbewussten jungen Leuten machen“) knüpften zwar nahtlos an ihre bisherige Erfolgskarriere als Modedesignerin an (Öko-Managerin des Jahres 1993), waren aber kein Erfolgsrezept auf dem Fußballplatz. Sie entzog Anfang März 1994 Erfolgstrainer Bongartz das Vertrauen und musste zwei Monate später den Abstieg trotzdem oder gerade deshalb hinnehmen. Unterdessen gelang dem VfL der souveräne Wiederaufstieg, während Wattenscheid nie wieder erstklassig wurde.

In Zukunft sollten Vater und Tochter Steilmann wieder mehr Energie in den Familienkonzern, denn in den Fußballverein stecken, da die Globalisierung der Steilmann-Gruppe arg zu schaffen machte. Die am Standort Wattenscheid festhaltenden Steilmänner waren dem ausländischen Preisdruck nicht mehr gewachsen und so gingen Club und Konzern Hand in Hand in die Krise. Klaus Steilmann verstarb 2009 80jährig im geliebten Wattenscheid. Sein Wirken für den Verein bleibt unvergessen und ist eine Erinnerung an bessere Zeiten für den aktuellen Sechstligisten.

Bildquelle: http://www.muensterschezeitung.de/bilder/fotostrecken/detail/cme34410,1403754

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