Jürgen „Kobra“ Wegmann

Juli 1986, Schalke 04: Jürgen Wegmann ist noch keine zwei Wochen auf Schalke, da bekommt auf der Geschäftsstelle wie jeder andere Spieler auch 3000 Autogrammkarten zum Unterschreiben mit auf den Nachhauseweg. Am nächsten Tag steht er wieder vor der Sekretärin, fordert weitere 3000 Autogrammkarten. Wo er die ersten 3000 gelassen habe, fragt die Sekretärin. „Hben Sie die verloren?“ Wegmann antwortet: „Nö, hab’ ich in meinem Viertel verteilt.“

Der Stürmer, nach eigenen Bekunden giftiger als eine Kobra, ließ Tore folgen und empfahl sich somit für den großen FC Bayern. Beim Rekordmeister gelangen ihm in 58 Bundesligaspielen 26 Treffer (u. a. das Tor des Jahres 1988 mittels Fallrückzieher). Die nächsten Stationen seiner Karriere hießen Borussia Dortmund, MSV Duisburg, Rot-Weiß Essen, Mainz 05 und Hartz IV. Der Arbeitslosigkeit kann er immer nur kurzzeitig entrinnen. Mal als Mitarbeiter im BVB-Fanshop, mal als Lagerist und mal als Sicherheitsmann. Doch zur Arbeit erscheint er unregelmäßiger als einst in den Strafräumen der Bundesliga und irgendwann droht die Endstation ALG II. Gäbe es da nicht den FC Barmherzig München mit seinem Erzengel Uli. Nach einer Enthüllungs-Homestory in der BILD („So lebt der Torheld allein und von Hartz IV im Pott“), hieß der alte und neue Arbeitgeber FC Bayern München und die Kobra arbeitet nun im FCB-Fanshop Oberhausen.

Zum Herbst seiner Karriere und der Zeit danach, passt wohl nichts besser als sein eigenes Bonmot: „Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.“ Allein mit diesem Satz wird Jürgen „Kobra“ Wegmann wohl unvergessen in die Geschichtsbücher der Fußball-Bundesliga eingehen, auch wenn die Original-Quelle dieses berühmten Zitats oftmals vergessen wird.

Jürgen Kobra Wegmann

Jürgen Kobra Wegmann © ndr.de

Bild: http://www.ndr.de/sport/fussball/spitznamen102_p-9.html

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