Jürgen „Charly“ Schütz

Timo Konietzka ist als erster Torschütze der Bundesliga in die Geschichte eingegangen. Dieses historische Tor war auch zugleich sein erster Treffer nach dem Verlust seines kongenialen Partners Charly Schütz. Schütz war 1959 von Urania Lütgendortmund zum großen Nachbarn Borussia gewechselt. Es war ein Wechsel der Urania gar nicht passte und Schütz somit eine halbjährige Sperre einbrachte, da er ohne Freigabe zum BVB ging. Trainer Max Merkel nahm es gelassen und ließ Schütz erstmal nur mittrainieren. Später setzte er ihn regelmäßig in Freundschaftsspielen unter falschen Namen ein. Damals war so etwas noch möglich, heute ist es undenkbar, wo über jeden Testkick und jedes Training in der Presse berichtet wird und jedes neue Gesicht einen Artikel wert ist.

Jürgen Charly Schütz

Jürgen Charly Schütz © stickerfreak.de

Der Mann mit den vielen Namen spielte in allen Freundschaftsspielen groß auf. So groß, dass man ihn nach einem Freundschaftsspiel in Sevilla gar nicht mehr aus Spanien weglassen wollte. Nur mit Mühe waren die Verantwortlichen des FC Sevilla davon zu überzeugen, dass „Charly Schilling“ unverkäuflich ist. Als die Sperre endlich ablief, drehte der verspätete Neuzugang unter seinem bürgerlichen Namen in der Liga voll auf. 1961, ’62 und ’63 wurde Charly Torschützenkönig der Oberliga West. Gemeinsam mit Konietzka bildete er das beste und torgefährlichste Duo des Westens, vielleicht sogar ganz Deutschlands. Aufgrund ihrer Unzertrennlichkeit und ihrer Streiche, wurden die beiden „Max und Moritz“ getauft.

Auf einen jungen und spielstarken Stürmer wie Jürgen Schütz wurde natürlich auch der Bundestrainer aufmerksam. Unter Herberger absolvierte der Borusse ab 1960 sechs A-Länderspiele (zwei Tore). 1963 wurde der BVB Meister. Charly Schütz hatte überragenden Anteil an dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft, verließ die Borussen aber im Anschluss für das damalige Vermögen von 450.000 DM gen Italien. Südlich der Alpen war das Thema Länderspielambitionen für Schütz leider vorbei, denn Herberger ignorierte Legionäre konsequent.

Außerdem konnte Schütz seine Topleistungen aus Deutschland nur sporadisch bestätigen, woraus mehrere Vereinswechsel resultierten (von AS Rom zum AC Turin und von dort zu Brescia Calcio). Unterdessen startete in Deutschland pünktlich nach dem Meisterstück von Schütz anno ’63 die Bundesliga. Sie lief bis 1968 ohne den lausbubenhaften Stürmer aus Dortmund. Dann heuerte Schütz für ein Jahr ein bei 1860 München an und betrat endlich die Bundesligabühne. Nach seiner Premierensaison kam wieder zusammen, was zusammen gehörte und Charly wurde erneut ein Borusse.

Doch von der Spitzenmannschaft die er einst verließ, war nichts mehr übrig. Komplize Konietzka war längst weg und auch die anderen Stars wie Aki Schmidt oder Lothar Emmerich waren Geschichte. Der BVB der frühen Siebziger war ein Abstiegskandidat geworden und musste 1972 als Vorletzter aus der Bundesliga absteigen. Schütz beendete zu diesem Zeitpunkt 33jährig seine Profikarriere und ging ins Amateurlager zu Rot-Weiß Lüdenscheid. Nach der aktiven Laufbahn wurde er Kneipier. In diversen Gaststätten mit klassischen Namen wie „Zum Zöllner“ oder „Gildenstube“, war er leider meist selbst der beste Kunde und das Vermögen aus der Profizeit ging irgendwann zu Neige. Als er endgültig pleite war, gewann Charly aus heiterem Himmel eine hohe Summe im Lotto. Doch das Glück küsste ihn nur noch diese eine Mal. Er starb bereits 1995 55jährig an Kehlkopfkrebs.

In Erinnerung bleiben überragende 100 Treffer in 114 Oberligabegegnungen und elf Tore in zwölf Endrundenspielen um die Deutsche Meisterschaft. Ebenso unvergessen seine Streiche auf und neben dem Platz. So bugsierte er nach einem Doppelpassfestival mit Konietzka schon mal den Ball hingekniet per Kopfstubser über die Torlinie. Oder er ließ einen Elfmeter kurz von seinem Kumpel anticken, um ihn dann selbst zu verwandeln. Regelkonform, da ein Elfmeter lediglich ähnlich wie ein Anstoß nach vorne gespielt werden muss, aber sehr ungewöhnlich. Durch derlei Kabinettstückchen wird man zweifelsohne zur Legende.

Bildquelle: http://www.stickerfreak.de/Bergmann%20Seiten/Bundesliga%201971-72/Dortmund%201972.html

Weitere Legenden des Fussballs:

Fuballer Legenden