Jörg Stübner

Einhergehend mit der politischen Wende in der DDR 1989, kam es zu dieser Zeit auch zum Machtwechsel im ostdeutschen Fussball. Hatte von 1979 bis 1988 noch der BFC Dynamo 10 Titel in Serie gewonnen, konnte der Meisterpokal 1989 erstmals wieder außerhalb Berlins einen Trophäenschrank schmücken. Der neue Meister hieß SG Dynamo Dresden, der nebenbei in dieser Saison auch nur knapp den Finaleinzug im UEFA-Pokal verpasste. In der Wendesaison 89/90 konnte gar das Double errungen werden und 90/91 reichte es immerhin für die Vizemeisterschaft, die zum Einzug in die gesamtdeutsche Bundesliga berechtigte.

Immer als Leistungsträger mittendrin, der DDR-Nationalspieler Jörg Stübner. Der Mittelfeldspieler mit der Qualifkation von 177 Oberligaspielen (17 Tore), 29 EC-Spielen (2 Tore) und 47 Länderspielen (1 Tor), hätte es 1990/91 ohne Probleme seinen Teamkameraden Kirsten und Sammer gleichtun können. Auch er hätte 25jährig im besten Fussballeralter zu einem potenten Westclub wechseln können. Aber Stübner blieb und konnte sich den Traum von der Bundesliga mit der SGD erfüllen. Dennoch war die große politische und sportliche Wende auch der Wendepunkt in seinem Leben zum Schlechten.

In der Bundesliga läuft Stübner nur selten auf. Mal sind es Verletzungen, mal Probleme mit Trainer Helmut Schulte, die Einsätze verhindern. Stübner hat psychische Probleme und beginnt zu trinken. Als er 1993 20.000DM Gehaltsrückstände einfordert, sind seine Tage bei Dynamo gezählt. Nun nimmt ihn sein ehemaliger Nationaltrainer Eduard Geyer bei Sachsen Leipzig unter die Fittiche, aber Stübner bringt seine Probleme aus Dresden mit wird sie auch zu seinen weiteren Stationen mitnehmen. 1995 wird er bei Neubrandenburg entlassen und wenig später wird er auf die Intensivstation eines Dresdner Krankenhauses eingeliefert. Er brach an einer Überdosis Tabletten auf offener Straße zusammen.

Nach diesem Tiefpunkt kickt „Stübs“ noch erfolglos bei Amateurvereinen, zum Schluss im Sauerland beim SV Obermarsberg. Im Westen vereinsamt der Dresdner allerdings und brennt schließlich mit einem vom Verein gestellten Mietwagen durch. Die Spur von Stübner verliert sich völlig, bis er 2003 beim Abschiedsspiel von seinem Kumpel Ulf Kirsten im Dresdner Harbig-Stadion aufläuft. Die Fans jubeln dem Überraschungsgast frenetisch zu und Stübs kann sogar einen Treffer erzielen. Vielleicht wäre das die Gelegenheit gewesen seinem Leben wieder eine positive Wende zu geben, vielleicht einen Job bei Dynamo zu bekommen. Aber Stübner zieht sich wieder zurück. Ein Versuch nach Gran Canaria auszuwandern scheitert. Nach vier Wochen merkt Stübner, dass die Insel nicht auf ihn als Fitnesstrainer gewartet hat. Er arbeitet in Deutschland für 2,25€ als Erntehelfer, lebt aber hauptsächlich wieder von staatlichen Transferleistungen.

Heute ist er 45 Jahre alt und bekommt Hartz IV. Allerdings vermittelte er Journalisten, die ihn 2010 aufspürten, zumindest ein halbwegs positives Bild. Er trat sportlich trainiert und gepflegt auf, Gerüchte er sei endgültig in die Alkoholikerszene abgerutscht und obdachlos, bestätigten sich zum Glück nicht. Eine Perspektive fehlt ihm dennoch. Es bleibt die Geschichte von einem der nie im vereinten Deutschland ankam.

Jörg Stübner

Jörg Stübner © spiegel.de

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