Jochen Kientz

Wer erinnert sich nicht an das WM-Finale 2006? Es war Zinedine Zidanes Kopfstoß gegen Marco Materazzi, dessen Bilder dieses Finale noch lange überdauerten. Der Kapitän der französischen Nationalmannschaft, einer der größten Fußballer seiner Zeit, ließ sich in der 110.Minute beim Stande von 1:1 (Torschützen übrigens Zidane und Materazzi) zu einer Tätlichkeit hinreißen und beendete so seine Laufbahn als Fußballer sehr unrühmlich.

Vor dem Fernseher dürfte der ehemalige Bundesligaprofi Jochen Kientz ein Déjà-vu gehabt haben. Erging es ihm doch 6 Jahre zuvor wie Materazzi. Auch er wurde von einer Zidane-Kopfnuss niedergestreckt, damals beim legendären Champions League Sieg des HSV bei Juventus Turin (3:1). 2006 wurde Zidanes Schwester zuvor vom Gegenspieler beleidigt. Was 2000 von Kientz gesagt wurde, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall hatte der Superstar gegen den groben Verteidiger bis zu seinem Platzverweis keinen Stich gesehen.

Jochen Kientz stammt aus Mannheim und spielte dort in der Jugend unter anderem für die beiden lokalen Größen VfR und SV Waldhof. Über den damaligen Drittligisten SV 98 Schwetzingen kam er als Juniorennationalspieler zur Frankfurter Eintracht, wo er in drei Jahren allerdings nur ein Spiel für die Profis bestritt. Der groß gewachsene Verteidiger wechselte 1994 zum TSV 1860 München und stieg mit den Löwen in die 1.Bundesliga auf, doch sein Vertrag wurde nicht verlängert. Kientz war nun erst einmal arbeitslos.

Jochen Kientz

Jochen Kientz © jochenkientz.com

Wie gut, dass seine Mutter von Mannheim nach Mallorca auswanderte. Dort klagte sie ihrem Stammwirt Vicente ihr Leid, wie sehr sie ihren Sohn vermisse und dass jener eigentlich ein sehr begabter Fußballer sei. Der Wirt, der über beste Kontakte zu Real Mallorca verfügte, verschaffte dem Sprößling seines deutschen Stammgasts ein Probetraining. Drei Tage danach unterschrieb Kientz einen Vertrag auf der Urlaubsinsel. Er wurde auf Anhieb zum Stammspieler und schoss in seinen 36 Spielen fünf Tore.

Mit seinem folgenden Wechsel zu CD Logrones blieb er Spanien vorerst treu. Auch auf dem Festland kam er zu vielen Einsätzen, musste allerdings mit Logrones den Abstieg aus der Primera Division hinnehmen. Zum Glück hatte man Kientz in München nicht so ganz vergessen und streckte im Sommer 1997 die Fühler nach ihm aus. Auch bei 1860 wurde der robuste Verteidiger Stammspieler und spielte mit den Löwen erstmals in seiner Karriere im UEFA-Pokal. Sein zweites (insgesamt drittes) Jahr in München lief dann verletzungsbedingt nicht mehr so gut und Kientz wurde wieder arbeitslos.

Nach einem halben Jahr Pause konnte Jochen Kientz bei Panionios Athen anheuern, wo er wieder zu überzeugen wusste. Das machte den Hamburger SV auf Kientz aufmerksam. Ab 2000 verstärkte der Abwehrspieler den Champions League Teilnehmer aus der Hansestadt. Dort bestritt er dann das vorgenannte, wohl größte Spiel seiner Karriere gegen Juventus Turin. Nach wieder nur einer Saison wechselte er innerstädtisch zum FC St.Pauli. Bei den Braun-Weißen gehörte zu der legendären Mannschaft, die zwar den Weltpokalsieger Bayern München besiegte, aber dennoch in die 2.Bundesliga abstieg.

Doch „Knochen-Jochen“ (diesen Spitznamen erhielt er, nachdem er dem Stuttgarter Hleb die Knochen brach) hielt die Klasse durch einen Wechsel zum Rivalen FC Hansa Rostock. Aber wie schon seine ganze Karriere über, verfolgte ihn auch an der Ostsee sein Verletzungspech. 2004 folgte seine 13.Operation im 14.Profijahr. Es war die letzte, denn aufgrund anhaltender Knöchelprobleme wurde Jochen Kientz mit 31 Jahren Sportinvalide. Heute arbeitet er als Spielerberater und profitiert von seinen vielen Kontakten in Deutschland und Spanien. Bei Real Madrids Sportdirektor Zinedine Zidane konnte er bisher aber noch keinen seiner Schützlinge unterbringen.

Bildquelle: http://www.jochenkientz.com/EN/jochen.html

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