Jean-Santos Muntubila

Einen Ritt durch die Ligen hatte der 1.FC Saarbrücken 1985 hinter sich, als die Rückkehr in Deutschlands oberste Spielklasse endlich wieder gelang. 1963 war man noch Gründungsmitglied der Bundesliga und hielt für leider nur Jahr die Fahne des Saarlandes hoch. Nach dem Abstieg folgten Jahre der Zweitklassigkeit, in denen man in schöner Regelmäßigkeit in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga scheiterte. 1974 misslang die sportliche Qualifikation für die neu eingeführte 2.Bundesliga und nur der Lizenzentzug des legendären SV Alsenborn bewahrte die Saarbrücker vor der Drittklassigkeit.

Jean-Santos Muntubila

Jean-Santos Muntubila © stickerfreak.de

Angezählt, aber nicht ausgeknockt, erholte sich der 1.FCS wieder und konnte 1976 in die 1.Bundesliga zurückkehren. Dort verweilte man zwei Jahre, ehe man sich vom neuerlichen Abstieg nicht so schnell erholte und Anfang der 80er Jahre doch noch drittklassig wurde. Allerdings war der Saarbrücker Fahrstuhl keine Einbahnstrasse und so gelang man zügig und überraschend binnen drei Jahren wieder aus dem Amateurfußball in die 1.Liga. Eckpfeiler der Aufstiegself waren unter anderen Tormann Carsten Hallmann, Abwehr-As Norbert Schlegel, Sturm-Oldie Wolfgang Seel (Jahrgang 1948) und Mittelfeld-Regisseur Jean-Santos Muntubila. Sie fingen am letzten Spieltag der Saison 1984/85 doch noch den punktgleichen KSV Hessen Kassel ab, der am letzten Spieltag vom 1. auf den 4.Platz rutschte.

Den Kongolesen Muntubila holte man 1984 aus dem benachbarten Frankreich, wo er für den FC Sochaux und Olympique de Marseille kickte. Den Künstler- und Zweitnamen Santos gab er sich in Anlehnung an den großen Pelé selbst. Zwar war Muntubila ehrfürchtig genug sich nicht mit dem großen Pelé zu vergleichen, doch immerhin sah als er sich selbst als Platini Afrikas, was sicher kaum weniger selbstbewusst daher kam. „Auf dem Feld lebe ich auf. Mit dem Ball am Fuß spazieren gehen, den Gegner ins Leere laufen zu lassen, dem Partner den Ball vorzulegen: Das ist Leben“, sprach er einst poetisch über sich und sein Spiel. Seinen Wechsel nach Deutschland hatte der Kongolese dem Autohersteller Peugeot zu verdanken, der sowohl in Sochaux als auch Saarbrücken Geldgeber war und den Mittelfeldspieler quasi ins Saarland delegierte.

Der größte Auftritt in Deutschland hätte das Spiel Anfang Februar 1986 in München gegen den FC Bayern werden können, wo er die blau-schwarzen Farben nach 10 Minuten in Führung schoss. Schon im Hinspiel hatte man den Bayern im heimischen Ludwigspark ein 1:1 abgetrotzt und nach Hansi Pflüglers Ausgleich ging es auch in München mit 1:1 in die Kabine. Doch nach dem Seitenwechsel brach der Aufsteiger ein und wurde 5:1 abgefertigt. In der 87. Minute sah Jean-Santos die Rote Karte. So wie sich das Spiel in München drehte, drehte sich die ganze Saison. Nach dem München-Debakel war Muntubila erstmal gesperrt und der 1.FC Saarbrücken verlor Spiel um Spiel. Es gelang nur noch ein Heimsieg (gegen Mitauf- und absteiger Hannover 96) in der einstigen Festung Ludwigspark bis Saisonende und auswärts siegte bis zum vorletzten Spieltag (in Frankfurt) überhaupt nicht. Zu diesem Zeitpunkt war Saarbrücken schon abgestiegen und Aufstiegstrainer Klimaschefski bereits durch den Stürmer Wolfgang Seel ersetzt, der nun als Spielertrainer für einen Abstieg in Würde sorgen sollte. Und immerhin, Letzter wurde man nicht, auch wenn es am letzten Spieltag noch eine 0:6-Klatsche gegen den Südwest-Rivalen Kaiserslautern setzte.

Für Jean-Santos Muntubila war das Abenteuer Deutschland nach dem Abstieg vorbei. Er ging zurück nach Frankreich. In Saarbrücken haben sie ihn in guter Erinnerung als Teil der Aufstiegs- Pokalsensationsmannschaft 1984/85. Weniger gut auf den Pokal-Fighter Muntubila dürfte der 96er Fred Schaub zu sprechen sein. Dem schlug der Kongolese im Viertelfinale des Pokals gegen Hannover 96 drei Zähne mit einem Faustschlag aus. Saarbrücken gewann und musste sich im Halbfinale dem späteren Pokalsieger Bayer 05 Uerdingen geschlagen gegeben. Solch gute Tage wurden in den kommenden Jahren wieder zu Mangelware, als der Fahrstuhl der Saarländer erneut durch die Ligen pendelte und den Fans alles zwischen erster und fünfter Liga bescherte.

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