Jean-Pierre Papin

Wenn diese Seite „Légendes de la Division 1“ heißen würde, müsste nun ein Lobgesang auf Jean-Pierre Papin folgen. Papin war von 1988 bis 1992 fünfmal in Folge Torschützenkönig von Frankreichs höchster Spielklasse. Außer 1988 führten seine Tore Olympique Marseille jährlich zur französischen Meisterschaft. ’90, ’91 und ’92 wurde Papin außerdem erfolgreichster Torschütze im europäischen Landesmeisterwettbewerb und 1991 zugleich Welttorjäger und Europas Fußballer des Jahres. Auch für die Equipe Tricolore traf der Stürmer aus Boulogne-sur-Mer beeindruckende 30mal in 54 Länderspielen (größter Erfolg: 3.Platz bei der WM ’86 in Mexiko). Bedauerlich, dass der Torjäger sich 1990 nicht mit Schilacci, Lineker und Co messen durfte, da Frankreich die Teilnahme an der WM-Endrunde verpasste.

Dafür wirkte Jean-Pierre Papin ab 1992 als Vereinsspieler in Italien und konnte mit dem AC Mailand ’93 und ’94 die italienische Meisterschaft erringen. Doch Höhepunkt des Italien-Gastspiels war gewiss der Gewinn der Champions League mit Milan im Jahre 1994. Von Europas Fußballthron träumte zu dieser Zeit auch Bayern München, deren letzter Gewinn des Landesmeisterpokals schon fast 20 Jahre zurücklag. Mit Jean-Pierre Papin, Oliver Kahn und Trainer Giovanni Trapattoni wurden große Namen verpflichtet, die zusammen mit Stars wie Matthäus, Helmer und Scholl eine neue Erfolgsära einleiten sollten.

Jean-Pierre Papin

Jean-Pierre Papin

Die Realität sah freilich anders aus. Papin kam auf sieben magere Einsätze, bei denen er ein Tor erzielen konnte, und Bayern München wurde nur Sechster in der Bundesliga. In der Champions League lief es zwar besser, aber im Halbfinale war Schluss gegen den späteren Sieger Ajax Amsterdam. In Europas Königsklasse konnte der 5,5 Millionen Mark Franzose 1994/95 auch zum einzigen Mal überzeugen. In der Zwischenrunde bereitete er beim 4:1 gegen Dynamo Kiew zwei Treffer vor und erzielte die anderen beiden Tore selbst.

1995/96 hieß der neue Trainer Otto Rehhagel und Papin hatte die Chance das Etikett des Millionenflops abzulegen. Doch auch im weiter verstärkten Starensemble (Klinsmann, Herzog, Sforza und Strunz kamen hinzu) konnte JPP nicht wesentlich besser Fuß fassen. Der mittlerweile 32jährige war über seinen Zenit hinaus und nicht mehr der von seinem Fan Beckenbauer gepriesene Ausnahmestürmer. O-Ton des Kaisers: „Der Schapapapa ist ein begnadeter Fußballer“, regelmäßiger O-Ton des „begnadeten“ Franzosen: „Isch will weg“ [aus München]. Doch Papin blieb die vollen zwei Jahre und verabschiedete sich 1996 mit dem Gewinn des UEFA-Cups aus München. Immerhin war er 68 Finalminuten gegen Girondins Bordeaux dabei; der Jean-Pierre Papin. Teamchef damals: Der Kaiser, der den umstrittenen und glücklosen Rehhagel vor Saisonende ablöste.

In der Bundesliga wurde die Papin-Bilanz 95/96 um 20 Spiele und zwei Tore aufgestockt, darunter im September 1995 das Tor des Jahres, der Seitfallzieher zum 1:0 gegen den KFC Uerdingen. Und so blieb, neben dem Flop-Stigma und des Kaisers eigenwilliger „Schapapapa“-Aussprache, immerhin ein Traumtor für die Bundesliga-Annalen zurück.

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