Hermann „Der Tiger“ Gerland

Die Fans von Bayern München dürften nicht schlecht gestaunt haben, als sie auf den Tickets für das Auswärtsspiel bei Olympique Lyon den Spielort lasen. „Stade Gerland“ war der Austragungsort der Partie. Da wird jeder Bajuware sofort an Hermann den Tiger gedacht haben, den unermüdlichen Forderer und Förderer der FCB-Talente. Natürlich ist das Stadion von Lyon nicht nach dem Nachwuchstrainer von Bayern München benannt (es trägt den Namen seines Standorts, des Ortsteils Gerland), gleichwohl hätte Hermann Gerland es verdient, dass man ihm ein Stadion weiht.

Wohl nur wenige haben sich in der Förderung des Nachwuchses so sehr hervor getan wie der einstige knallharte Bundesliga-Verteidiger aus Bochum. Hermann Gerland trainierte von 1990 bis 1995 die Bayern Amateure und seit 2001 ist er wieder bei den Münchnern als A-Jugend-, Amateur- oder Co-Trainer angestellt. Er übt auch schon mal zwei dieser drei Tätigkeiten in Personalunion aus, wenn es der Arbeitgeber so will. Durch seine Schule sind sie alle gegangen, die späteren Stars aus der Bayern-Jugend. Eine halbe aktuelle A-Nationalelf könnte man mit ehemaligen Gerland-Schützlingen aufstellen. Müller, Badstuber, Kroos, Trochowski, Schweinsteiger und Lahm haben bei ihm gelernt und waren 2010 WM-Teilnehmer. Arne Friedrich hatte er seinerzeit in seiner Funktion als Bielefeld-Coach entdeckt. Bayern München möchte diesen Jugendtrainer nie wieder hergeben und der der Tiger sieht sich mittlerweile auch lieber im zweiten Glied. Jahr für Jahr verlängern beide Parteien den Vertrag per Handschlag.

Hermann Gerland

Hermann Gerland © dfr-nrw.de

Geboren wurde der Bochumer Malocher am 4. Juni 1954, aufgewachsen ist er im Arbeiterviertel BO-Weitmar. Sein Vater schuftete unter Tage und starb als Hermann Gerland neun Jahre alt war. Seine Mutter ging Putzen, um ihn und seinen kleinen Bruder auch ohne Vater durchzubringen. Ihr ehrgeiziger Ältester absolvierte eine Lehre zum Bankkaufmann, aber letztlich wurde doch der Fußball das Tor zu einem besser situiertem Leben. Gerland hatte bereits während der Lehre nichts anderes im Kopf als das runde Leder. Er öffnete schon morgens um sechs die Post in der Bankfiliale, damit er nachmittags zeitig trainieren konnte.

Seine eigentliche Berufsausbildung begann früh auf den Straßen Bochums und wurde beim VfL Bochum abgeschlossen. Für den VfL bestritt Gerland 204 Bundesligaspiele in 12 Jahren. Er spielte in seiner Profilaufbahn für keinen anderen Verein. Zunächst war der Tiger im Sturm des Bundesligisten eingeplant. Dort konnte er sich aber in seinen drei ersten Jahren nicht durchsetzen. Gesetzt waren Walitza und Eggeling oder Kaczor. Nach drei Saisons mit absteigenden statt aufsteigenden Einsatzzeiten, wurde Gerland zum Verteidiger umgeschult. Und zu was für einem! Der Tiger war geboren.

Gegen Hermann Gerland spielte kein Stürmer gerne. Hart aber fair ging der Malocher zur Sache und war einer der Garanten, warum dem VfL Jahr für Jahr der Klassenerhalt gelang. „Ich habe als Verteidiger Angst und Schrecken verbreitet. Ich war ein Klopper, knallhart, kopfballstark und schnell“, sagt der ehemalige Abwehrspieler über sich. Eine rote Karte hat er allerdings nie gesehen. Rüde Fouls oder kleine Schweinereien waren nie seine Sache auf dem Platz.

Nachdem Gerland Anfang der 80er seinen Stammplatz verlor, blieb er dem VfL auch als routinierter Ergänzungsspieler treu. Erst 1984 beendete er die Spielerkarriere und wechselte ins Trainermetier. Sein erste Station war natürlich der VfL Bochum. 1986/87 war er zunächst Co und wurde ein Jahr darauf zum Cheftrainer befördert. Die Elf aus dem Ruhrstadion erreichte solide Mittelfeldplätze unter Gerland. Dann lockte der 1.FC Nürnberg und Hermann Gerland kam erstmals raus aus Bochum. Fast zwei Jahre blieb er in Franken, bis 1990 erstmals die großen Bayern riefen. Seine eingangs erwähnte lange Trainerlaufbahn bei Bayern München wurde zwar ab Mitte der 90er Jahre nochmal für kurze Gastspiele als Cheftrainer in Nürnberg, Berlin (TeBe), Bielefeld und Ulm unterbrochen, aber München war inzwischen die zweite Heimat des Tigers.

Ein Ende dieser erfolgreichen Liaison ist nicht absehbar und 2010 konnte sich Gerland sogar einen seiner größten Träume erfüllen. Einmal auf dem Münchner Rathausbalkon mit der Meisterschale stehen, das war sein Wunsch. Es war ein unbeschreibliches Gefühl für ihn. Spieler und Fans versichertem ihm gesanglich, dass er der beste Mann sei und Gerland dachte daran wie seine Mutter seine Trainingsklamotten wusch und er sich in Bochum beim Mannschaftsessen entscheiden konnte, ob Vorsuppe oder Nachtisch. Beides war nicht drin. So einer feierte jetzt die Deutsche Meisterschaft. Da wurde der Tiger für einen Moment ganz sentimental. Und ein Stadion haben sie übrigens doch nach ihm benannt, wenn auch inoffiziell. Das Stadion an der Grünwalder Straße, im Volksmund eigentlich das Sechz’ger, nennen die Bayern-Fans nur Hermann-Gerland-Kampfbahn.

Bildquelle: http://www.dfr-nrw.de/Hermann-Gerland.623.0.html

Weitere Legenden des Fussballs:

Fuballer Legenden