Hans-Peter Briegel

Es gibt im Fußballstädtchen Kaiserslautern sicher nicht viele Jungs, die in ihrer Jugend nicht in einem Fußballverein landen. Hans-Peter Briegel gehörte zu dieser Minderheit. Er war ein erfolgreicher Leichtathlet und konzentrierte sich ganz auf diese Karriere. Fußball wurde nur zum Spaß gekickt. Erst mit 17 fing der 1955 geborene das aktive Fußballspielen an. Beim SV Rodenbach sorgte der Novize für Furore, da er sich Dank seiner Physis exzellent gegen die anderen Jugendlichen durchsetzten konnte. Schnell wurde das Pfälzer Flaggschiff 1.FCK auf das athletische Talent aus der Nachbarschaft aufmerksam. Ab 1974 spielte der Mittelfeldspieler ohne Schienbeinschoner für die Roten Teufel.

In den ersten drei Lehrjahren steigerte sich Briegel immer mehr zur festen Größe im Lautrer Kader, ehe er ab dem vierten Jahr unumwundener Stammspieler war. Mehr noch, er wurde zum Star der Pfälzer Mannschaft. Man hatte in ihm einen schnellen, eisenharten und torgefährlichen Verteidiger gefunden. Sicherlich der begehrteste Spieler auf dem Betze Anfang der 80er und folglich auch von 1979 bis 1986 72facher deutscher Nationalspieler. Das durchtrainierte Muskelpaket bekam den Spitznamen „Die Walz von der Pfalz“. Eine Symbolfigur für das robuste und kampfstarke Lautrer Spiel auf dem Betze.

Hans-Peter Briegel

Hans-Peter Briegel © 11freunde.de

1984 zog es die Walz von der Pfalz über den Brenner nach Italien. Im Lire-Paradies konnte ein Fußballer viel Geld verdienen. Damit tat Briegel es Karl-Heinz Rummenigge gleich, der im selben Sommer für eine Millionenablöse (11,4 Mio DM) von Bayern München zu Inter Mailand wechselte. Millionen, die den bayrischen Finanzen gut zu Gesicht standen, in einer Zeit lange vor prallen Festgeldkonten. Anders als bei Weltstar Rummenigge, war die Erwartungshaltung beim soliden Arbeiter Briegel wesentlich niedriger. Und Hellas Verona hatte auch nicht die Aufmerksamkeit und die Ansprüche eines FC Internazionale.

Daher war das was folgte auch eine Sensation. Hellas startete top in die Saison und Briegel traf gleich in den ersten Spielen für Verona. Der Pfälzer eroberte die Herzen der Tifosi und bekam die zentrale Rolle im Mittelfeld zugeteilt. Auf dieser Position schoss er neun Saisontore und somit eins mehr als der fünfmal teurere Inter-Stürmer Rummenigge. Der krasse Außenseiter aus Norditalien eilte von Sieg zu Sieg und gewann zum ersten und bisher einzigen Mal den italienischen Meistertitel. Sie verehrten den „deutschen Panzer“, diesen teutonischen Muskelberg, der sie zur Meisterschaft führte, abgöttisch in Verona. Briegel konnte Essen gehen wohin er wollte, sein Portemonnaie musste er nie zücken. Es gab Poster vom ihm mit der Aufschrift „Briegel Superman“ und dieser Held wurde am Saisonende Zweiter bei der Wahl zum Fußballer des Jahres (hinter Diego Maradona).

In Deutschland kürten sie ihn dagegen zum besten Fußballer, als ersten Legionär. Briegel genoss „La Dolce Vita“ und wechselte nach zwei Jahren zu Sampdoria. In Genua beendete er 1988 seine Spielerkarriere. Er wurde Trainer und coachte u. a. in Deutschland Wattenscheid 09 und in der Türkei Besiktas. Sein längstes Engagement hatte er als Nationaltrainer Albaniens von 2002 bis 2006. Mit dem kleinen Land konnte er bescheidene Erfolge erzielen und schlug den Erzfeind Griechenland unter Otto Rehhagel. Nun hatte er in Albanien einen ähnlichen Legendenstatus wie in Lautern oder Verona. Albaner tauften ihre Söhne auf seinen Namen und er wurde unkündbar. Demnach endete sein Vertragsverhältnis 2006 auch nur durch seinen Rücktritt.

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