Fritz „Fritzle“ Walter

Zwischen den Fanlagern des 1.FC Kaiserslautern und des SV Waldhof Mannheim gibt es eine ausgeprägte Abneigung, die prominenten Vertretern wie Frankfurt-Offenbach oder Hannover-Braunschweig sicher in nichts nachsteht. In den 80er Jahren allerdings, als beide Vereine in der 1.Bundesliga die Klingen kreuzten und Mannheim zeitweilig seine Heimspiele auf pfälzischem Boden austrug (im Südweststadion Ludwigshafen), kamen sich die Fans nicht nur geographisch näher. Zwar erreichte die Rivalität in dieser Zeit neue Höhepunkte und wurde schlagkräftig ausgetragen, aber gemein hatten sie nun eines; sprach man „Lautrer“ oder „Mannemer“ auf Fritz Walter an, begannen ihre Augen zu Funkeln.

Gleichwohl muss man festhalten, dass es selbstverständlich nicht der selbe Fritz Walter ist, der Pfälzern und Kurpfälzern in den Sinn kommt. In Kaiserslautern huldigt man dem alten Fritz, der zwar kein Preuße war, aber in Prussias Farben und mit dem Adler auf der Brust Deutschland zum Wunder von Bern führte. Jener Fritz Walter, nach dem die Lauterer Erfolgself der 50er Jahre, die Walterelf, benannt ist und dessen Name das Patronat des Kaiserslauterer Stadion auf dem Betzenberg inne hat. In Mannheim dagegen ehrt man den jungen Fritz. Den Walter, der als Rekordtorjäger in die Geschichte des 36.Bundesligisten aus Mannheim einging. Beide Walters sind weder verwandt noch verschwägert, dennoch sind ihre Karrieren miteinander verbunden.

Fritz "Fritzle" Walter

Fritz "Fritzle" Walter

So dachte der Vater vom jungen Fritz 1960 schon an den gerade abgetretenen Spielführer der Nationalelf, als es um die Taufe des Sprößlings ging. Und das Fussball spielen lernte der jüngere Fritz Walter in Hohensachsen, wo Fritz Walters Nationaltrainer Sepp Herberger lebte. Über den FV Weinheim kam Fritz Walter 1981 zum SV Waldhof und schlug am Alsenweg auf Anhieb ein. Klar, dass der Alsenborner Fritz Walter (der Ältere) auf den jungen Namensvetter in der Nachbarschaft aufmerksam wurde. Beide Walters lernten sich kennen und der junge Fritz gewann im alten Fritz einen Freund und Förderer.

Fritz Walter stach bei den aufstrebenden Waldhof-Bubis heraus und traf in seinen beiden ersten Saisons insgesamt 33mal in der 2.Bundesliga. Im zweiten Jahr waren seine 21 Treffer maßgeblich für den Aufstieg mitverantwortlich und Walter bildete mit Paul Linz ein brandgefährliches Stürmerduo. Auch in der 1.Bundesliga traf der gebürtige Mannheimer im Ensemble der Eigengewächse prompt 16mal und die Mission Klassenerhalt gelang der von Klaus Schlappner trainierten Elf souverän (Platz 11, einen Platz vor dem großen 1.FCK, den man auch in der Zuschauergunst übertreffen konnte). Im folgenden Jahr wurde die Bundesliga endgültig aufgemischt und man schloss als Tabellensechster ab, nur das schlechtere Torverhältnis stand einem Einzug in den UEFA-Pokal im Weg. Bezeichnend dass Walter ausgerechnet im diesem Erfolgsjahr nur 7mal traf, sein schlechtester Wert in sechs Jahren Waldhof.

Walter und seine Elf etablierten sich im Oberhaus und konnten den tollen 6.Platz mit einem 8.Platz in der Saison 1985/86 nahezu bestätigen. Es folgte Walters letztes Waldhof-Jahr, in dem er sich mit überragenden 23 Toren gen Stuttgart verabschiedete, aber tabellarisch leider als Vierzehnter scheiden musste. Seine 55 Treffer in 4 Spielzeiten weisen ihn wohl noch auf lange Sicht als Mannheimer Bundesligarekordtorjäger aus.

Im Schwabenland bildete der Kurpfälzer erstmal für zwei Jahre ein geniales Sturmduo mit dem Bäckergesellen Jürgen Klinsmann, dessen Höhepunkt 1989 der Einzug in das Finale des UEFA-Cups wurde. Leider ging das Endspiel gegen Diego Maradonas SSC Neapel verloren und Jürgen Klinsmann verabschiedete sich über den Brenner in Richtung Mailand. Überliefert ist aus dieser Zeit das legendäre Walter-Zitat: „Der Jürgen Klinsmann und ich sind schon ein tolles Trio, .. äh Quartett.“

Die kommenden drei Jahre lag die Last des Toreschießens im Stuttgarter Angriff fast ausschließlich auf Fritz Walters Schultern. „Fritzle“ enttäuschte nicht, traf regelmäßig das Tor und durfte 1992 Fotos mit Meisterschale und Torjägerkanone (22 Saisontore) knipsen. Spätestens nun war der bodenständige Kurpfälzer auch im Ländle Kult. Nicht ohne Grund heißt das Stuttgarter Maskottchen Fritzle (ein Krokodil im VfB-Jersey). Nach der triumphalen Saison 1991/92, ging der Stürmer noch zwei weitere Jahre erfolgreich auf Torejagd für den ersten gesamtdeutschen Fußballmeister. Er traf jeweils 13mal und hatte mit dem Schweizer Adrian Knup endlich wieder einen torgefährlichen Mann an seiner Seite.

Als 1994 die Gespräche über einen Vertragsverlängerung unbefriedigend verliefen (Stuttgart wollte mit dem 34jährigen nur um ein Jahr verlängern, Walter um dagegen um zwei Jahre), lockte der Drittligist Arminia Bielefeld mit einem gutdotierten Vertrag. Von Ostwestfalen aus zogen zu dieser Zeit Manager Rüdiger Lamm und Trainer Ernst Middendorp mit dem Geldkoffer durch die 1.Bundesliga. Auf dieser Einkaufstour erstanden sie die Bundesligaprofis Armin Eck, Jörg Bode, Thomas von Heesen und eben den schnurrbärtigen Stuttgarter Star Fritz Walter. Nach zwei Aufstiegen in Serie waren alle vier 1996 wieder erstklassig und Fritz Walter sahnte 95/96 auch noch die Torjägerkanone der 2.Bundesliga ab (21 Treffer).

Mit 36 Jahren lief Walter dann noch dreimal in der 1.Bundesliga für Arminia auf, ehe er sich mit dem SSV Ulm dem nächsten Durchmarsch-Club aus der Regionalliga anschloss. Die aktive Laufbahn endete 1999 kurz vor dem 39.Geburtstag als Aufsteiger in die 1.Bundesliga, wenn auch ohne eine große Rolle Walters in Ralf Rangnicks Überraschungsmannschaft. Fußballdeutschland hatte nun zwei prominente Ruheständler namens Fritz Walter und alles in allem wurde der junge Fritz dem großen Namen des Alten gerecht. Gut, der eine ist Pate eines Stadions und Weltmeister, der andere „nur“ Namensgeber eines Plüschkrokodils und olympischer Bronze-Medaillen-Gewinner, aber diese feinen Abstriche sollen „Fritzles“ Andenken nicht schmälern. In Stuttgart, Mannheim oder auch Bielefeld, haben sie ihren Fritz Walter in sehr guter Erinnerung behalten. Natürlich wegen seiner Tore, aber auch aufgrund seiner allürenlosen Art und Dank seiner Stilblüten aus Interviews. „Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt“, fehlt wie das „Trio-Quartett-Zitat“ in keiner Bundesliga-Sprüchesammlung.

Weitere Legenden des Fussballs:

Fuballer Legenden