Frank Pagelsdorf

Der spätere Bundesligaspieler und -trainer Frank Pagelsdorf erblickte in Hannover das Licht das Welt. Seine Heimat war der Vorort Garbsen, der den späteren Zweitligisten TSV Havelse hervorbrachte. Bei diesem Club, den Volker Finke 1990 in den Profifussball führte, begann „Pagel“ 1964 als sechsjähriger Steppke das Kicken. Er durchlief alle Jugendmannschaften des TSV und schaffte als Ausnahmetalent mühelos den Sprung in die 1.Herrenmannschaft. Dort übernahm 1975 kein geringerer das Zepter als 96-Legende Hans Siemensmeyer. Der Nationalspieler fungierte als Spielertrainer für den vom Großbäcker Wilhelm Langrehr geförderten „Dorfclub“.

Siemensmeyer war ein Idol von Pagelsdorf, er jubelte dem Star jahrelang im Niedersachsenstadion zu. Nun spielten Sie für ein Jahr in einer Mannschaft und der blonde Hans wurde zum Förderer des jungen Pagelsdorf. Dieser schaffte den Sprung zum Jugendnationalspieler und wechselte schließlich zum großen Nachbarn Hannover 96. Dort bestritt der Mittelfeldspieler in zwei Jahren 71 Zweitligaspiele (10 Tore), ehe er 1978 zu Arminia Bielefeld wechselte.

Frank Pagelsdorf

Frank Pagelsdorf © bundesliga.de

Mit den Ostwestfalen etablierte sich Pagelsdorf Anfang der 80er Jahre in der 1.Bundesliga. Bis ins neue Jahrtausend war er gar deren Bundesligarekordtorschütze (28 Treffer), bis er in dieser Rangliste von Artur Wichniarek abgelöst wurde. In den Spielzeiten 82/83 und 83/84 war Frank Pagelsdorf überragend. 11 und 10 Saisontore gelangen ihm als Mittelfeldspieler, er wurde zum „Günter Netzer des Underdogs“. Gleichwohl weckten seine Spitzenleistungen Begehrlichkeiten bei anderen Clubs.

1984 zog es den gebürtigen Hannoveraner noch ein Stück weiter westlich gen Dortmund. Beim BVB spielte er vier Jahre und wurde zum Abwehrspieler umgeschult. Er war zwar weitestgehend Stammspieler bei Borussia, aber der große Star wie in Bielefeld war er nicht mehr und mit Kritik ging der eigentlich ruhige Vertreter Pagelsdorf nicht immer souverän um.

So bekommt der Bild-Reporter Jürgen Meyer in den Katakomben des Parkstadions 1988 einen Becher Cola von Pagel übergeschüttet. Der Dank des Dortmunders an den Schreiberling für die „guten Kritiken“ des letzten halben Jahres. Die Reaktion von Meyer sind zwei Fausthiebe, die Pagelsdorfs Kiefer prellen und dem Journalisten ein Hausverbot beim BVB bescheren. Der Spieler wird für seine klebrig-feuchte Provokation ebenso mit einer Disziplinarstrafe vom Arbeitgeber belegt.

1989 kehrt „Pagel“ zu Hannover 96 zurück. Es war ein Traum von ihm für seinen Lieblingsverein, dessen Spiele er früher mit schwarz-weiß-grüner Fahne auf den Stehplätzen verfolgte, in der 1.Bundesliga aufzulaufen. Dies konnte er sich noch sechsmal ermöglichen, bevor 96 den Abstieg in die 2.Bundesliga hinnehmen musste. Dort spielte Pagelsdorf noch eine Saison, dann beendete ein Bandscheibenvorfall seine Karriere. Seine Bilanz aus 14 Profijahren waren 307 Spielen mit insgesamt 47 Toren.

Nahtlos begann seine zweite Karriere, die des Trainers Frank Pagelsdorf. Zunächst verdiente er sich seine ersten Sporen als Amateurcoach von Hannover 96 und als Cheftrainer des Drittligisten Union Berlin. Zweimal wurde er mit den „Unaufsteigbaren“ Oberligameister. Eine Lizenz für die 2.Bundesliga erhielten die Köpenicker allerdings in beiden Jahren nicht. Pagelsdorf verabschiedete sich zu Hansa Rostock und nahm mit Sergej Barbarez und Marko Rehmer (und später noch Martin Pieckenhagen gleich drei Leistungsträger mit an die Ostsee. Mit Hansa schaffte der Coach den Aufstieg in die 1.Bundesliga und dort gelang auf Anhieb ein 6.Platz.

Mit dem Hamburger SV durfte Pagelsdorf ab 2007 ein noch ambitionierteres Team übernehmen. 2000 führte der Hannoveraner die Hamburger in die Champions League, musste aber schon 2001 seinen Hut nehmen. Mit seiner üppigen Abfindung von 4,1 Millionen DM gönnte sich Pagelsdorf erst mal eine Auszeit. 2003 folgte ein kurzes erfolgloses Gastspiel beim VfL Osnabrück (die nach Pagelsdorfs Rücktritt aus der 2.Bundesliga abstiegen) und 2004 heuerte er in den Vereinigten Arabische Emiraten an. Als ihn dort nach nur einem Jahr der Ruf aus Rostock ereilte, endete auch dieses Engagement schnell wieder. An alter Wirkungsstätte sollte es dem Trainer nochmals gelingen Hansa Rostock in die 1.Bundesliga zu führen. Der direkte Wiederabstieg und ein verkorkster Start im dritten Jahr, sorgten aber diesmal dafür, dass Pagel das Vetragsende nicht erleben durfte.

Bildquelle: http://www.bundesliga.de/de/historie/1980/meldung_archiv.php?f=0000135634.php

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