Asgeir Sigurvinsson

Ein Land, welches ziemlich genau so viele Einwohner wie Bielefeld hat, bringt nicht in jedem Jahrgang einen Fußballer von großem internationalen Format hervor. Dennoch ist es beachtlich wie viele gebürtige Isländer mittlerweile in europäischen Profiligen als Legionäre kicken. Ein Pionier, der ihnen den Weg ebnete, war zweifelsohne Asgeir (spricht man „Ausgjer“ aus) Sigurvinsson. Islands Jahrhundertfußballer verließ das Vulkaneiland 1973, um seine Qualitäten bei Standard Lüttich einzubringen.

Sigurvinsson absolvierte in acht Jahren 250 Ligaspiele für Belgiens Rote Teufel, erzielte 57 Ligatore und konnte sich 1981 mit dem Belgischen Cup aus Wallonien verabschieden. Das europäische Spitzenteam FC Bayern München lockte den Isländer in die Bundesliga. Für die Bayern trug der Nordmann 1981/82 17mal den rot-weißen Dress, gewann den DFB-Pokal und zog im Europapokal der Landesmeister ins Finale ein (0:1 gegen Aston Villa). An Altstar Paul Breitner war allerdings kein richtiges Vorbeikommen für den Mittelfeldspieler und mit Trainer Pal Csernai wurde er nicht richtig warm. Diese unbefriedigende Situation führte nach nur einem Jahr Bayern München zum Wechsel nach Stuttgart. Beim VfB wurde Asgeir, was so viel wie der Speer Gottes bedeutet, zum Publikumsliebling und einem der besten Spielgestalter der 80er Jahre.

Asgeir Sigurvinsson

Asgeir Sigurvinsson © dfb.de

Spätestens nach der Meisterschaft 1984, an der Sigurvinsson großen Anteil hatte, war er für alle nur noch „Siggi“. Ein sympathischer, wie erfolgreicher Botschafter eines fernen Landes, welches bis dato keiner so richtig mit Fußball assoziierte. Der Isländer blieb dem VfB Stuttgart bis zu seinem Karriereende 1990 treu und kann auf fast 200 Bundesligapartien und 38 Tore für die Cannstatter zurückblicken. Noch heute erinnern sie sich in Schwaben gerne an seine Spiele im Trikot mit dem Brustring und sprechen manchmal ganz euphorisch vom „Eismeer-Zico“, der sie mit genialen Pässen verzauberte und mit Ausdauer und Siegeswillen beeindruckte. Asgeir Sigurvinsson blieb Stuttgart auch nach der aktiven Laufbahn treu und arbeitete für den VfB als Scout (u. a. empfahl er seinen Landsmann „Jolly“ Sverrisson). Außerdem betrieb Islands 45facher Nationalspieler einen Getränkemarkt in Denkendorf, der noch heute seinen Namen trägt. Erst 1993 verließ Sigurvinsson Deutschland wieder dauerhaft, um in seiner Heimat als Trainer und Sportfunktionär Karriere zu machen.

Aktuell sind fast 50 Isländer Fußballprofis im europäischen Ausland aktiv. Ein zweiter Sigurvinsson hat sich zwar noch nicht hervor getan, aber der zur Zeit in Hoffenheim kickende Gylfi Sigurdsson hat gewiss gute Anlagen. Und auch Grétar Steinsson (u. a. AZ Alkmaar und Bolton Wanderers) und Eidur Gudjohnsen (u. a. Chelsea, Barcelona und Stoke City) haben sich ihren Namen international gemacht, um nur zwei weitere Island-Profis unserer Tage zu nennen. Gebürtige Bielefelder Fußballprofis muss man dagegen lange suchen, davon gab es vielleicht gerade mal eine Handvoll in den letzten 50 Jahren.

Bildquelle: http://www.dfb.de

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