Andreas Sassen

Nach einer Zechtour mit Mario Basler stand der Pegel bei 1,9 Promille und der Führerschein war weg. „Ich habe noch nie den Führerschein verloren, ich habe gar keinen“, posaunte Sassen damals.

Alkohol, Affären und Prügeleien durchzogen seine Karriere. Sassen sagte einmal: „Ich habe alles versoffen und verzockt.“ Er wurde nur 36 Jahre alt.

Begonnen hatten seine beiden Karrieren, die am Glas und die am Ball, in seiner Heimatstadt Essen. Die am Ball nur unwesentlich früher als die andere. Als Sassen 1990 bei Uerdingen Profi wird, gilt er großes Mittelfeldtalent und der voranschreitende Alkoholismus (Zechtouren, Führerscheinentzug) wird noch von fußballerischen Lichtblicken überschattet. Andreas Sassen kann sich für den HSV empfehlen und zeigt auch in der Hansestadt gute Ansätze am Ball und ist zunächst Stammspieler. Doch in Hamburg gibt es auch die Verlockungen der Reeperbahn, wo Sassen gerne um die Häuser zieht. So auch an einem Oktoberabend 1993. Gemeisam mit Teamkamerad Harald Spörl nimmt der stark alkoholisierte Sassen anstatt den eigenen Wagen diesmal ein Taxi, doch auch das geht nicht gut. Sassen gerät mit dem türkischstämmigen Fahrer in Streit über das Fahrtempo. Das Ganze endet mit einer Anzeige wegen Körperverletzung gegen den Fußballprofi.

Nach etwas über einem Jahr ist die hanseatische Geduld am Ende und Sassen wird an Dynamo Dresden abgegeben. Dort wird der schwer alkoholkranke 700.000DM-Einkauf bereits nach 13 Tagen suspendiert. Er erschien schon in den ersten Tagen teilweise verkatert oder überhaupt nicht zum Training. Ein Autounfall des Ersatztorhüters Mark Schwarzer (mit Sassen als Beifahrer) nach einer nächtlichen Zechtour, zwingt die Dynamo-Verantwortlichen zum Handeln. Da sich Dynamo im Abstiegskampf befand, gab es zwar eine vorübergehende Begnadigung für Sassen, aber eine große Besserung seines Verhaltens trat nicht ein. So lief das einst hoffnungsvolle Talent nur sechsmal für die SGD auf und musste am Ende den Abstieg aus dem Fußballoberhaus hinnehmen.

Auch sein persönlicher Abstieg setzte sich fort. Nach dem katastrophalen Dynamo-Gastspiel folgten ein paar Monate Dnipropetrowsk in der Ukraine und ein paar Monate Wattenscheid in der 2.Bundesliga. Dann war es endgültig aus. Sassen war 1996 mit 28 Jahren nicht mehr im Profifußball vermittelbar. Er kickte nun noch sporadisch bei seinem Heimatclub ETB Schwarz-Weiß Essen und arbeitete nach dem Fußball zuletzt als Hilfsgärtner beim Essener Grünflächenamt. Er stirbt 2004, erst 36jährig, an einem Hirnschlag.

Andreas Sassen

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